Winnefeld, Hermann
Programm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin (Band 59): Altgriechisches Bronzebecken aus Leontini — Berlin, 1899

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Schwerpunkt seiner Herrschaft verlegte, so class Leontim unter die Bpt-
mässigkeit dieser Nachbarstadt kam. Nach dem Sturz der älteren
Syrakusaner Tyrannis scheinen Leontini und die anderen chalkidischen
Städte ihre Selbständigkeit wiedererlangt zu haben — die Einwohner von
Katana kehrten 461 wieder in ihre alte Heimat zurück —; aber zu
grösserer Bedeutung sind alle diese Städte neben den inzwischen mächtis
erstarkten dorischen Gemeinwesen nicht mehr gelangt. Ihre Blüte wird
man unbedenklich im siebenten und sechsten Jahrhundert anzunehmen
haben, einer Zeit, für die freilich die litterarische wie die monumentale
Überlieferung fast ganz versagen und aus der nur Münzen als Zeugnisse
von der einstigen Bedeutung der chalkidischen Städte auf uns ge-
kommen sind.

Aber selbst während dieser Blüte in anscheinend wesentlich fried-
licher Entwicklung scheint der Einfluss dieser Städte auf das sikelische
Binnenland nur ein verhältnismässig geringer gewesen zu sein, nicht zu
vergleichen mit dem, den die ältere Schwesterstadt Kyme auf ihr cam-
panisches Hinterland ausübte, und die Hellenisierung der einheimischen
Bevölkerung, die nach Ausweis der Münzen sikelischer Städte thatsächlich
stattgefunden hat, scheint erst eine Folge der politischen Herrschaft,
welche die Tyrannen von Gela und Syrakus auch über einen Teil der
Eingeborenenstämme gewannen. Nur so ist es zu erklären, dass Spuren
eines ausgedehnten Absatzes von Erzeugnissen archaisch-griechischer Zeit
im nordöstlichen Sicilien gänzlich fehlen; denn wenn auch planmassige
Ausgrabungen hier nirgends unternommen sind, so müssten von einer
über ein grösseres Gebiet verbreiteten Kultur doch da und dort zufällig
Reste zu Tage gekommen sein.

Um so wertvoller ist ein Bronzebecken, das im Jahre 1897 für das
Antiquai'imn der Königlichen Museen angekauft wurde. Seinem ganzen
Charakter nach ist es sicher nicht jünger als die Mitte des sechsten Jahr-
hunderts, und ein Fundbericht von Oavallari bezeugt seine Herkunft aus
einem Grabe der Nekropolis von Leontini.
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