Winnefeld, Hermann
Programm zum Winckelmannsfeste der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin (Band 59): Altgriechisches Bronzebecken aus Leontini — Berlin, 1899

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In der zweiten Hälfte des achten vorchristlichen Jahrhunderts
kamen die ersten griechischen Ansiedler unter chalkidischer Führung nach
Sicilien. Es muss ein recht bedeutender Schwärm gewesen sein; denn
binnen wenig Jahren hatten sie sich zu beiden Seiten der für den Handel
hochwichtigen sicilischen Meerenge und in den überaus frachtbaren Thälern
am Fuss des Aetna festgesetzt, dem Bergriesen so nahe rückend, als die
Scheu vor seiner unheimlichen Natur gestattete. Hier hatten sie der
Überlieferung nach zuerst Fuss gefasst und nördlich des Berges an der
Küste unweit der Mündung des Alcantara Naxos gegründet; wenige Jahre
später schon wurde von hier aus am Südrand der Ebene des Shneto, die
den Bergstock nach Süden begrenzt, etwas landeinwärts die Stadt Leontini
angelegt, die bis ins fünfte Jahrhundert herab in der vielfach dunkeln
Geschichte dieser südlichen Gruppe der chalkidischen Niederlassungen, zu
der auch Katana und die minder bedeutenden Orte Euboia und Kallipolis
gehörten, als die in ihrem Stammeseharakter zäheste und ausdauerndste,
wenn auch nicht als die politisch bedeutendste erscheint.1) In ihren
Mauern hat sie kurz nach der Gründung die Megarer aufgenommen, die
sich bald danach in Megara Hyblaea dauernd niederliessen, und um
476 siedelte Hieron von Syrakus die Bewohner von Katana, vielleicht
auch die von Naxos, nach Leontini über. Schon ein Vierteljahrhundert,
ehe dieser unfreiwillige Zuwachs erfolgte, hatte Leontini seine Selbständig-
keit an Hippokrates von Gela verloren, dessen Nachfolger Hieran sich
auch des mit Gela stammverwandten Syrakus bemächtigte und dahin den
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