Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 12.1920

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Alte und neue Graphik

Pali Bazi ein Augenblick höchften Glückes und
am Abend gabs in diefer Stadt eine Künftler-
feier, die zu den fchönften Erinnerungen zählt,
denke ich an Budapeft und die wahrhaft ritter-
liche ungarifche Nation zurück. Das Bild Szinyeis,
in Lebensgröße von Leibi 1869 gemalt, befindet
fid) feit etwa zehn Jahren ebenfalls im Mufeum
zu Budapeft. Bi er mann.
Prof. Frit^ Klimfd)
der bekannte Berliner Bildhauer, ift als Erfatj-
mann für den verftorbeuen Fritj Schaper vom
Kultusminifter in den Senat der Akademie der
Künfte berufen worden. Ein Beweis mehr, daß
man in dem republikanifchen Preußen noch lange
nicht daran denkt, mit den veralteten 3öpfen
einer mehr als finnlos gewordenen Überlieferung
aufzuräumen.
Alte und neue Graphik
Unter Leitung von
Dr. Karl Schwarz, Berlin KI. 30,
flfcbaffenburger Str. 20.
Die Schaffenden
Diefe von Paul Kleftheim ins Leben gerufene
Sammlung, die der Verlag von Guftav Kiepen-
heuer, Potsdam herausbringt, gibt in der Form
von jährlich viermal erfcheinenden Mappen
Originalgraphik unferer lebenden Künftler in
einer befchränkten Auflage, die fid) zunächft an
die Sammlerkreife wendet. Im ganzen kommen
jährlich vierzig Blatt heraus und jeder Liefe-
rung von zehn Blatt ift ein kurzer zufammen-
faffender Cext vorangeftellt, der über die Künftler
und ihre Klerke in knappen Strichen orientiert.
(Subfkriptionspreis auf die gewöhnliche Aus-
gabe M. 600.—.) Es muß anerkannt werden,
daß mit diefer Veröffentlichung eine der glück-
lichften Ideen ihre Verwirklichung gefunden hat
und daß diefe Mappenfolge, dem lebendigen
Schaffen junger Kunft gewidmet, diefer felbft
heißer Anfporn zur fd)öpferifd)en Arbeit, dem
Sammler aber Mittel der Orientierung werden
muß, wie es ähnlich bis dahin keines gab. Aus-
fchlaggebend ift das Programm und daß fid)
dies etwa den Tendenzen nähert, die „das
Kunftblatt“ und jeljt auch unfere 3eitfd)rift
überzeugungsftark vertritt, ift der Vorzug eines
folchen Unternehmens. Der Erfolg des erften
Jahrgangs, der längft vergriffen ift, beweift, wie
fehr Herausgeber und Verleger die Klitterung
der3eit befaßen, und daß die neue Jugend un-
feres fd)wer geprüften Vaterlandes wert diefes
Unternehmens war, das zu erhärten wird Auf-

gabe des eben beginnenden zweiten Jahrgangs
diefer Folge fein.
Es liegt im Kiefen alles Neuen, daß es nicht
gleich Vollkommenes zu geben vermag. Un-
ebenheiten ßnd natürlich und zugegeben felbft,
daß von den vierzig Blatt, die der erfte Jahr-
gang der „Schaffenden“ vereinigt, nur zwei
Drittel vor letzter Kritik ftandhalten, fo ift damit
dennoch im großen ein Klerk vollbracht, vor
dem man fid) gern in Ehrfurcht neigt. Die
neue Mappenfolge erft wird erhärten, in wel-
chem Ausmaß der Herausgeber felbft die 3iele
diefer neuen 3eit überblickt, ob er einfeitig ver-
ankert in den Tendenzen einer kleinen Clique
fein Programm macht oder ob er in der Lage
ift, von der Klarte höchfter Objektivität herab
auch die zu fid) heranzuziehen, die etwa kunft-
politifd) feinem Standpunkt nicht liegen. Er
wählte einen ftolzen Eitel. Der ift Programm
und Verpflichtung zugleich. Das erftere ift durch
Namen zu umfchreiben, die fd)on guten Klang
beßljen, die letztere befteht allein vor dem Ge-
wiffen der 3eit. Klir werden nach zwölf Mo-
naten die Schaffenden vor das Cribunal fordern
und dann urteilen, ob fie wert find, weiter zu
beftehen oder ob — wie wir es diefem pracht-
vollen Unternehmen nicht wünfd)en möchten —
eine große Idee einfeitig zur Sterilität verdammt
ward. Der erfte Jahrgang läßt — foviel fteht
feft — Lücken offen. Daß diefe durch mediocrere
Dinge gefd)loffen werden können, dies zu glau-
ben, wäre das Verhängnis eines Unternehmens,
dem heute Dank und der Klunfd) nach 3ukunft
gebührt. B.
Kupfer ft id)- Auktion Holl ft ein
& Puppel, Berlin
Die Erwartungen, die man auf die Verweige-
rung der erlefenen Sammlung von Kupferftichen
und Farbdrucken des 17. Jahrhunderts fetzte,
wurden durch die Anwefenheit vieler Ausländer
bei weitem übertroffen. Englifche, franzöfifche,
holländifche und dänifche Antiquare hatten fid)
eingefunden, die Schweiz und Italien waren
vertreten, und fo nahm es bei dem furchtbaren
Valutaftande nicht Klunder, daß der größte Ceil
der überaus wertvollen Blätter in ihre Hände
gelangte, da es den deutfchen Käufern kaum
möglich war, ihren Angeboten zu folgen. Den
Rekord ftellte ein allerdings in folcher Voll-
kommenheit überaus feiten vorkommendes Far-
benblatt in Crayon-Manier von Louis Marin
dar: „Les belles musiciennes“ brachten es auf
M. 63 000.—! Diefer Preis kennzeichnet das Niveau
der gefamten Auktion, die mit ihren 57 herr-
lichen Blättern von Nanteuil, ihren 16 Demar-

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