Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'Année 1860 — 1861

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spricht und in manchen anderen Kunstwerken, namentlich in einem schonen Vasengemà'lde (1er
kaiserlichen Sammlung1, zu Tage tritt. Unsere Statuette auf Paris zu beziehen, ist wenigstens
kein ausreichender Grund vorhanden, da der Verfertiger jede Andeutung phrygjscher Bekleidung
vermieden hat.

3, Figur von Terracotta, 31/2 Verschok (0,16 Mètre) hoch, in dem elegantesten Stil aus-
gefiihrt und mit Spuren von rother, blauer und weisser Farbe versehen. Eine Frau oder ein
junges Mà'dchen sitzt in nachlà'ssiger Haltung auf einem mit geschweiften FUssen und einer Riicken-
lehne versehenen ïpovo?. Sie hat den linken Arm iiber die Lehne des Sessels gelegt, wahrend
die Fiisse auf einer Fussbank ruhen. Bekleidet ist sie mit einem à'rmellosen Chiton von sehr
zartem Gewebe und mit einem aus starkerem Zeug bestehenden Himation, welches auf den Schoos
herabgefallen ist.

t Dasselbe Kunstmotiv ist durch eine Anzahl von Marmor - Statuen bekannt, welche Frauen
aus der Zeit der romischen Kaiser darstellen2. Unsere kleine Terracotta-Figur jedoch diirfte sie
leichl sammtlich an Eleganz und Gewandheit der Ausfiihrung ubertreffen.

4. 5. Ein paar Ohrgehâ'nge von massivem Gold, welche ebenso, wie die folgenden geschnit-
tenen Steine und Ringe, auf unserer Tafel in naturlicher Grosse wiedergegeben sind8. Jedes
derselben hat die Form einer Maenade, die, mit einen langen Chiton bekleidet, in Ekstase vor-
wârtsschreifet, indem sie in der einen Hand einen Thyrsos trà'gt, mit der anderen aber, die eine
einen Panther, die andre ein Hirschkalb oder Reh, an den Fussen festhalt.

Es ist bekannt, dass es zu den Gebrà'uchen bakchischer Feste gehorte, dass die daran Theil
nehmenden Frauen und Madchen allerlei junge Thiere des Waldes, namentlich Hirschkalber, zu
symbolischer Hindeutung auf die Leiden des Dionysos in wilder Raserei zerrissen4. Hochberiihmt

i Ant. du Bosph. Cimm. Pl. 63, t —3. Ver-
gieiche auch Winckelinann: Mon. Ined. N° 99.
Roulez: Choix, de vas. peints Pl. 20.

■2Clarac: Musée de sculpt. Pl. 929, 2363.
930,2367 931,2365. 932,2364. 2367 A.
23 68. 955,245-i.

a Ueber die Auffindung dieser Ohrgehânge siehe
Compte-rendu de la comm. arch. pour l'année 185 9
p. X.

4 Preller: Griech. Myth. Th.l. p. 54-3. Daher

finden wir ùberhaupt Hirschkùhe und Hirschkalber
ganz gewohnlich dem Dionysos und seinem Gefolge
beigegeben, z. B. Gerhard: Auserl. Vasenb. Taf. 134.
Etrusk. Vasen Taf. 8. Wieseler: Denkm. Th. II.
N°425. (vergleiche Stephani: Bull, hist.-phil. To.
XII. p 278. - Mél. gréco-rom. To I. p. 553.).
Bull. Napol. Nuova Ser. To. IV. Tav. 3. To. V.
Tav. 13. Fùrst Sibirsky: Catal. des méd. du Bosph.
Cimm. To. 1. Pl. 6,169.
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