Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1869 — 1870

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gewesen zu sein scheinen. An jeder Seite' des Gô'tterbildes ist noch eine Hand, wie es scheint,
von Frauen sichtbar, welche goldene Perlenschniire empor halten, wahrscheinlich um die Statue
damit zu schmiicken, und ausserdem sieht man an der einen Seite einen Baum mit weissen
Blattern. *

Auf dem grosseren Fragment ist neben einem Baumstamm eine Hand erhalten, welche cinem
aufrecht stehenden Jiingling eine goldene Schale darreicht. Dieser trà'gt eine Chlamys, ein gol-
denes Haarband und im Nacken einen Petasos. In der Rechten hait er einen diinnen weissen
Stab und mit der Linken weist er auf einen zweiten, wie es scheint, sitzenden Jungling zuriick,
welcher ein goldenes Haarband tragt und mit der Rechten eine goldene Perlenschnur empor
hait. Genaueres lasst sich leider iiber die ganze Composition nicht mehr bestimmen.

Etwas fluchtiger ist das auf Tafel IV N° 8 wiedergegebene Innenbild einer Schale ausge-
fiihrt. Es bietet uns ein neues, der vorromischen Kunst angehorendos Beispiel eines auf einem
Panther reitenden Dionysos, was Beachtung verdicnt, da sich der Gott zwar in den Kunstwerken
der rômischen Epoche ganz gewohnlich dièses Thiers zum Reiten bedient1, keineswegs aber in
denen, welche jener Zeit vorausgehen2. Wie auch sonst nicht selten, reitet er hier nach Art
der Frauen. Bekleidet ist er mit einem reich verzierten Obergewand, das auf den Schoos herab-
gefallen ist. In der Rechten hait er einen mit Bandern geschmiickten Thyrsos, in der Linken
ein grosses Rhyton oder ein Fullhorn8.

Noch etwas nachlassiger ist der Stil, in welchem das Innenbild einer anderen Schale
(Tafel IV-N° 9) ausgefiihrt ist. Auch dièses stellt den jugendlichen Dionysos dar, der sein
langes Haar mit einer breitcn Stirnbinde umwunden und iiber die linke Schulter ein Gewand-
stiick geworfen hat. In der Rechten hait er einen Thyrsos, indem er einen hastig von ihm
weg schreitenden Eros nacheilt und ihn fest zu halten sucht. Der Sohn der Aphrodite ist im
Alter der Mellepheben gedacht und streckt die Rechte nach dem Gott des Weins zuriick, um
diesen mit sich fort zu ziehen. Die abgebrochene linke Hand scheint ein nicht mehr zu be-
stimmendes Attribut gehallen zu haben.

1 Siehe Compte - rendu de la comm. arch. pour
l'ann. 1863. p. 231.

2 Siehe Compte - rendu de la comm. arch. pour
l'ann. 1863. p. 230. Nachzutragen ist ein Gemàlde

des Assteas, Mon. pubbl. dan" Inst. arch. To. VIII.
Tav. 10.

3 Siehe Compte - rendu de la comm. arch. pour
l'ann. 1 867. p. 180.
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