Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1872 — 1875

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schon oben1 kennen gèlerai. Ein zweites Beispiel lelirt uns der noch jetzt vorhan-
dene Rest jener Statue kennen, welche man auf Ilissos zu beziehen pflegt2. Dieser
zeigt uns namlich, dass der Dargestellte mit dem Hintertlieil und dem ganzen
reehten Schienbein auf dem Erdboden ruht, hingegen das linke, jetzt fehlende Knie
betrâchtlich hoch empor richtete. Die beiden Zeiehnungen hingegen stimmen darin
mit einander Ûberein, dass sie beiden Beinen vôllig gleiche Stellung geben und
weichen nur darin von einander ab, dass das Hintertlieil des Dargestellten das eine
Mal nebst den Schienbeinen auf dem Erdboden ruht, das andere Mal jedoch ihn
gar nicht beriihrt. Noch wichtiger fur die vorliegende Frage ist, uni von weiteren
Beispielen zu schweigen, deren fast jede Figur dièses Giebels darbietet, die Ueber-
einstimmung beider Zeiehnungen in der ganz willkûhrlichen Veranderung der Poséi-
don-Statue, auf die wir sogleich genauer ziirtickkommen. Denn selbst wenn meine
Vermuthung in Betreff der Veranlassung dieser Entstellung nicht das Wakre treffen
sollte, so kann doch die Entstellung selbst und ihre wesentlich gleiche Form in
beiden Zeiehnungen keinem Zweifel unterliegen.

Wahrscheinlicli hatte Carrey, nachdem er die erste, in grôsserem Maassstab
und dem Original gegeniiber ausgefuhrte Zeichnung beendigt hatte, bemerkt, dass
er in derselben bei der Hast, mit welcher er seine Arbeiten ausftihren musste, die
Plâtze der einzelnen Figuren wesentlich verrUckt und so namentlich in dem zur
Reehten des Beschauers befindlichen Theile des Giebels eine Liicke erhalten hatte,
welche in dem Original gar nicht vorhanden war. Er entwarf daher eine zweite
Zeichnung in kleinerem Maassstabe, bei deren Ausfiihrung er sich dem Original
gegeniiber nur die Stellen der einzelnen Figuren markirte, wesshalb in dieser na-
mentlich auch jene Liicke verschwunden ist; fiihrte aber die einzelnen Figuren zu
Hause mit Htilfe der ersten Zeichnung und offenbar mit noch grosserer Hast aus,
als jene, wesshalb es ilim bei der Schattirung auch begegnet ist, dass er, wie schon
Anderen aufgefallen ist, das Licht von Norden lier auf den Giebel fallend denkt.
Wir dtirfen daher wohl auch vermuthen, dass er, obgleich er auch dièse Zeichnung
in zwei Theile zerlegt liât, doch wohl angegeben haben wird, wie dièse Theile zu

1 Siehe oben p. 87.

2LaBorde:Le Parthenon Pl. 58, 3.

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