Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'Année 1875 — 1878

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pflegte, doch von der alten Kunst nur selten mit Eros unmittelbar verbunden sehen.
Fast nur in den Darstellungen der Europa-Sage pflegt sich der kleine Gott nicht
nur dieser göttlichen Jungfrau, sondern auch einem Stier in verschiedenen Formen
eng anzuschliessen. Ja, in einem Vasengemälde dieser Art1 reitet er sogar in sehr
ähnlicher Weise, wie hier, auf demselben und treibt ihn mit beiden Händen an,
sich den Wünschen der schönen Jungfrau zu unterwerfen.

Auch den das Meer belebenden eigentlichen Seestieren schliesst er sich in eini-
gen römischen Kunstwerken2 in ähnlicher Weise an und besonders merkwürdig ist
der im städtischen Museum zu Triest aufbewahrte Elfenbein-Deckel eines Dipty-
chon^3, auf welchem wir eine Frau dargestellt sehen, welche einen Stier liebend
umfasst und zu küssen im Begriff ist, während sich drei Eroten, von denen einer
ebenfalls auf dem Rücken des Thieres reitet, in verschiedener Weise mit demselben
beschäftigen. Ob wir jedoch auch hier mit dem Herausgeber an Europa, nicht
vielmehr an eine dem Mithras-Cultus entlehnte Scene zu denken haben, wird wohl
noch reiflicherer Untersuchung bedürfen.

Hingegen liegt gar 'kein Grund vor, von dem Verfertiger unserer Gruppe vor-
auszusetzen, dass er einen bestimmten Stier im Sinne gehabt und nicht blos im
Allgemeinen die Macht habe anschaulich machen wollen, welche Eros auch auf
diese gewaltigen Thiere ausübt.

Ein ähnliches Interesse erweckt die in einem anderen Grabe des Mithridates-
Bergs gefundene und auf Tafel IT N° 21 wiedergegebene Terracotta-Gruppe, welche
in äusserst gewandter Ausführung einen glatzköpfigen Seilen auf einen Schlauch
hingestreckt und nach reichlichem Wein-Genuss ruhig schlafend darstellt. Nach-
dem er das linke Bein unter das rechte geschlagen hat, lässt er den rechten Arm

l Stephani: Compte-rendu de la comm. arch.
pour l'ann. 1866. p. 108. N° 20. Jahn: Die
Entführung der Europa Taf. 1. Overbeck: At-
las zur Kunst.-Myth. Taf. 6,17. Heydemann:
Die Vas. des Mus. Naz. p. 495. N° 3218.

2 Z. B. in drei Sarkophag-Reliefs bei Cla-
rac: Mus. de sculpt. PL 207. N° 196.; Bull.
Napol. Nuova Ser. To. VI. Tav. 6.; Bull, della
comm. munie. To. I. Tav. 3.

s Arch. Zeit. 1875. Taf. 12.
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