Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'Année 1875 — 1878

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Besonders interessant ist ein grüner Jaspis1, welcher das von Apelles ge-
schaffene Bild der Anadyomene wiederholt. Die Göttin ist ganz nackt und ringt
sich in aufrechter Stellung mit beiden Händen das von beiden Seiten lang herab-
hängende Haar aus, während neben ihr auf dem Eand eines grossen Wasserbeckens
zwei Tauben sitzen.

' Bekanntlich treten uns in den Ornamenten der römischen Grabsteine unzäh-
lige Male zwei Tauben oder ähnliche kleine Vögel sich schnäbelnd, an den Blumen
und Blättern der Guirlanden pickend oder in anderen Situationen gedacht entge-
gen. Zuweilen jedoch ist auch diesen ein kleineres oder grösseres Wassergefäss
beigegeben. Am Deckel einer Aschenkiste im Museum von Pawlowsk2 sieht man
zwei Tauben, welche aus einem Wasserbecken trinken. An einem Grabcippus im
Louvre3 sind zwei Tauben dargestellt, welche auf dem Kand eines Kantharos sitzen.
Auch da trinkt die eine daraus, die andere aber verzehrt eben einen Schmetterling.
In Padua4 wird ein Grabstein aufbewahrt, in dessen Giebel zwischen zwei Tauben,
die sich schnäbeln, ein hoher henkelloser Krug angebracht ist.

Endlich kann ich noch eine Lampe5 nachweisen, auf welcher zwei Tauben dar-
gestellt sind, die auf dem Rand eines hohen, zweihenklichen Gefässes sitzen.

l Vivenzio: Gemme Tav. 7. Diese Gemme
ist zu den von mir im Compte-rendu de la comm.
areh. pour l'ann. 1870. p. 70 — 126. 284 —
286. 1872. p.ü191. 1873. p. 6 - 9. 250. be-
sprochenen übrigen Nachbildungen des berühm-
ten Kunstwerks nachzutragen. Eine zweite Gemme,
welche demselben Bild eine Taube in anderer
Form beigiebt, habe ich im Compte-rendu de la
comm. arch. pour l'ann. 1870. p. 103. nachge-
wiesen. Hier gedenke ich noch einer unedirten
Bronze-Statuette, welche bei Arras gefunden ist,
sich gegenwärtig ebenda in Privat-Besitz befin-
det und dasselbe Motiv, natürlich ohne Beigabe
der Taube, wiederholt. Sie stellt die Göttin völ-

lig nackt, jedoch mit hoher Stephane und einem
Halsband geschmückt, in aufrechter Stellung dar,
wie sie mit der Rechten eine lang herabhängende
Haarlocke erfasst hat, die Linke aber nur weniger
erhebt. Hr. de Linas hatte vor Kurzem die Güte,
mir eine Photographie der kleinen Statuette mit-
zutheilen.

2 Stephani: Die Antiken - Sammlung zu
Pawlowsk p. 36. N° 62.

3 Bouillon: Mus. des ant. To. III. Cippes
PI. 2. Clarac: Mus. de sculpt. PI. 185. N° 177.

4 Farlanetto: Lapidi Patavine Tav. 36.

5 Luc. d'Ercol. p. 213.
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