Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1877 — 1880

Page: 175
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Ausserdem aber versteht es sich nicht weniger von selbst, dass ans der Hand-
hwg des Kfissens im Allgemeinen gar keine Zeitbestimmung gewonnen werden kann,
da die alte Kunst das Kûssen iiberhaupt natûrlich ebenso, wie das Sâugen, von den
altesten bis in die spâtesten Zeiten unzâhlige Maie dargestellt liât, wohl aber aus
dem besonderen Charakter des einzelnen Kusses, und dass dieser in unserer Gruppe
ein ganz anderer ist, als in jenem Gedicht, lehrt doch selbst die geringste Aufmerk-
samkeit.

Als Gedanke namlich, zu dessen Tragern der Schôpfer der uns beschâftigenden
Grnppe Eros und Psyché gewâhlt hat, ergiebt sich jedem einigermaassen geiibten
Beobachter ohne Weiteres die Darstellung der reinsten Beseeligung, welchen die
geschlechtliche Liebe der menschlichen Seele nur in der Zeit, in welcher der Mensch
eben in den Zustand der Reife tritt, durch den ersten, noch vollkommen unschul-
digen geschlechtlichen Kuss zu gewâhren vermag.

Die Aufgabe, einen solchen Kuss darzustellen, hat sich die alte Kunst in kei-
ner einzigen Composition gestellt, ausser eben in der, welche uns die in Rede ste-
hende Gruppe und deren zwar ilberaus zahlreiche, aber leider nur zu sehr entstel-
lende Wiederholungen darbieten, und eben durch diesen Charakter des Kusses un-
terscheidet sich die fragliche Composition von allen ûbrigen Darstellungen des Kils-
sens, welche uns die alte Kunst in so uberreicher Zabi hinterlassen hat.

Darauf aber, dass sich selbst noch aus den mehr oder weniger mangelhaften
Wiederholungen des Originals, welche uns erhalten sind, erkennen lasst, in wie mei-
sterhafter Weise dem Schôpfer des Originals die Losung dieser Aufgabe. gelungen

welchcs zwar der kûssenden und die Mitte des Gan-
zen einnehmenden Hauptgruppe noch andere Neben-
figuren, jedoch nur in untergeordneter Weise bei-
giebt. Icb erinnere ferner an die derselben Zeit
angehôrende Spiegel-Kapsel der kaiserlichen Er-
mitage (Ant. du Bosph. Ciram, Pl. 43.) und an
einen geschnittenen Stein derselben Sauimlung,
welcher ebenso gewiss aus derselben Zeit stararat

(Compte-rendu delacomm.arch. pourl'ann. 1860.
Pl. 4, 7. p. 89.). Aber auch ein berûhmter, ehe-
mals in Gerhard's Besitz befindlicùer etruski-
scher Spiegel (Gerhard: Etr. Spiegel Taf. 83.)
stammt sicher aus einer âlteren Zeit, als aus der
Theokrit's, und wahrscheinlichgiltdasselbe auch
von einem etruskischen Spiegel der kaiserl. Er-
mitage (Gerhard: Etrusk. Spiegel Taf. 322.).
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