Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour les années 1878 et 1879 — 1881

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wârts und m anderen Zeiten, durch ein verschiedenes Costiim von einander unter-
schieden haben und daher namentlich Tanzerinnen uncl musikaliscbe Instrumente
spielende Frauen, wie sie uns in den drei genannten Kunstwerken entgegentreten,
auch damais anders gekleidet gewesen sein, als andere Frauen.

Somit bleibt nui* noch ûbrig, dass ich, da man noch so wenig im Stande zu
sein scheint, den Stil, dessen sich die mittel-asiatische Kunst in den spatesten Zei-
ten zu bedienen pflegte, von dem zu unterscheiden, in welchem sie ihre âlteren
und altesten Werke ausfûhrte, dièse Gelegenheit nicht vorttbergehen lasse, ohne
auch darauf aufmerksam zu machen, in wie handgreiflicher Weise das gesammte.
den Frauen- und j^ladchen-Gestalten des eben erwâhnten, in Mykenae gefundenen
Goldrings zu. Grunde liegende System der Formen-Auffassung, namentlich was den
eigenthûmlichen Grad der Freiheit der Bewegungen und die Art der Verkurzungen
der einzelnen Kôrper-Theile betrifft, mit dem ûbereinstimmt, in welchem die Frauen
der beiden eben ausfûhrlicher besprochenen persischen Silber-Vasen und der nur
kurz erwâhnten Silber-Schale des Grafen Sergei StroganofT ausgefiihrt sind. Demi
natûrlich folgt hieraus mit unbedingter Gewissheit, dass auch jener Goldring aus
keiner wesentlich frûheren Zeit stammen kann, als eben dièse drei Silber-Gefasse,
ïiber deren Verfertigungs-Zeit gar kein Streit entstehen kann.

Auch ist ja jedem Anfânger wenigstens so viel bekannt, dass die mittel-asiati-
sche Kunst, mag man sie nun in den einzelnen Fâllen genauer als assyrisch,
babylonisch, persisch, medisch oder mit noch anderen Namen bezeichnen, seit den
altesten Zeiten ein ganz eigenthiiniliches System streng gebundener Formen-Auffas-
sung durchgebildet hatte, an welchem sie bis in die Alexandrinische Zeit herab
unabanderlich fest hielt, und dass sie erst nach dieser Zeit, namentlich zur Zeit

1 Kôhler: Gesamm. Schr. Th. YI. Taf. 7.
Stephani: Die Schlangenfiïtterung p. 6. N° 19.
Ganz besondere Beachtung verdient an den bei-
den Frauen-Gestalten dieser Schale die hoclist
auffallende und nur den spatesten Producten der
niittel-asiatischen Kunst eigenthumliche Aufbau-

schung der Hfiften und Schenkel, da dieseibe
auch auf dem Mykenaeischen Goldring an der
sitzenden Frau ganz stark, an den beiden kleinen
Mâdchen wenigstens in geringerem Grad raarkirt
wiederkehrt.
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