Compte rendu de la Commission Impériale Archéologique: pour l'année ..: Pour l'année 1880 — 1882

Page: 31
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/crpetersbourg1882/0063
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
31

gen sind dièse beiden Neben-Stûcke der Lange nach geriefelt und in der Mitte
ebenfalls mit dem Wellen-Ornament verselien.

Im Besonderen wird unsere Aufmerksamkeit natûrlich nicht nur durch den so
reich verzierten Knoten selbst, sondern namentlich auch durch die in der Mitte
desselben angebrachte Gruppe des Adlers gefesselt, welcher einen Flûgel-Knaben
durch die Luft trâgt. Denn dass wir nicht etwa an Ganymedes, sondern nur an
Eros denken konnen, wird eben durch die Flûgel des Knaben vollkommen sicher
gestellt. Ein von dem Adler des Zeus mit seinen Krallen getragener Eros aber
begegnet uns hier in den Werken der alten Kunst zum ersten Mai, wenn auch die
Entstehung einer solchen Vorstellung nicht schwer zu begreifen ist.

Denn der Adler des Zeus ist ja, wie allbekannt, nicht nur in dem Liebes-
Verhâltniss des mâchtigen Gottes mit Ganymedes vorzugsweise thâtig, sondern
nimmt in derselben oder ahnlicher Weise auch an anderen Liebes-Abenteuern des
Kônigs der Gôtter Theil. Besonders bekannt ist ein Vasen - Gemâlde, welches ihn
die Thaleia durch die Luft tragend darstellt1. Ebenso sollte Zeus in Gestalt eines
Adlers die Aegina geraubt haben2. Auf Miinzen von Gortyn sieht man die Europa
dargestellt, wie sie sich in Gegenwart eines Adlers unter der beriihmten Platane
niedergelassen hat3, und nicht weniger bekannt sind die, wenn auch nur zum Theil
antiken, Steine, welche den Adler des Zeus durch Kuss und Umarmung mit einer
unbestimmten Frauen-Gestait verbunden zeigen4.

Anderer Seits finden wir eben in Folge hiervon auch Eros selbst in verschie-
dene Combinationen mit dem Adler des Zeus gebracht. Namentlich sehen wir wie-
derholt dargestellt, wie der kleine Liebes-Gott durch Darreichung eines Trunks den
Durst des mâchtigen Vogels stillt5. Oder er schiesst, auf einem Flûgel des Adlers

1 Wieseler: Denkmâler Th. II N° 47\

2 Nonnos: Dionys. VII, 210—221. XIII,
201—203. XXIV, 77-82. XXXIII, 279.

3 Compte-rendu de la connu, arch. pour l'ann.
1866. p. 126.

4 Compte-rendu de la comm. arch. pour l'ann.

1867. p. 195.

5 Siehe das Marmor-Relief bei Pistolesi: Il
Vaticano descr. T. III. Tav. 107.; das Elfen-
bein-Relief bei Buonaruoti: Medagl. p. 402.
und den Carneol bei M (il 1er: Camées du Musée
Thorvaldsen p. 60. N° 441.
loading ...