Curtius, Ernst [Hrsg.]; Kaupert, Johann A. [Hrsg.]
Karten von Attika (Heft III-VI): Erläuternder Text — Berlin, 1889

Seite: 59
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Mannes aus dem Demos OLon (Dekelikon, „Antikenber." No. 379). Am Nordabhange, beim Wege, be-
merkt man antike Mauerspuren, insbesondere auch grofse, z. Th. als Wassertröge ausgehöhlte Marmor-
platten und Quadern. Südwestlich im Fichtengehölz liegt die (auf der Karte nicht mehr verzeichnete)
stattliche Ruine der Doppelkirche H. Theodori mit schönen byzantinischen Ornamenten und antiken, zum
Bau verwandten Marmorstücken.

Eine andere, wie es scheint, einst befestigte Dorflage, dehnt sich an den nordöstlichen Hügeln,
oberhalb Panagia, aus. Die Spuren bestehen indefs nur noch in aufgelösten Steinen und zahlreichen
Thonscherben.

An dritter Stelle kommt, wiederum nördlich, die zu beiden Seiten eines Hügelrückens abfallende
und voii den zwei Quellarmen des Spatabaches umschlossene Gegend Soriani in Betracht. Die
dort wahrnehmbaren Ansiedlungsspuren scheinen von den letztgenannten trotz der Nachbarschaft unter-
schieden und einem selbständigen Centrum zugerechnet werden zu müssen. Wohl aber dürfen sie mit
den geringen Resten vereinigt werden, welche sich in dem östlichen Nebenthal von Chete Tütani bis
zu der Kapellenruine des H. Konstantinos hinziehen. Andere Fundamente einer kleinen Kirche (H. Ge-
orgios, mit glatten Säulenresten, die wohl von einem noch älteren Kirchenbau stammen) befinden
sich an dem Hügelabhang', der die Gegend Soriani im Süden begrenzt. Mittelalterliche wie antike
Mauerspuren und vereinzelte Blöcke ziehen sich namentlich auf dem das Gebiet nordwärts durchsetzen-
den Hügelrücken hin, dessen Fufs im Osten und Westen reichlich bewässerte Fluren begrenzen.
Wenig nördlich tritt der durch Vereinigung der beiden Wasseradern gebildete Spatabach gleich jenem
von Stamäta in enge Gebirgsschluchten, die er erst nahe vor seiner Mündung in den Flufs von Mara-
thon verläfst. Auf der linken Seite führt ein steiler Aufstieg zu dem elenden Dörfchen Spata empor,
welches gegenwärtig nur wenige (etwa 5) Familien beherbergt. Auf der Höhe der Rest einer Wind-
mühle. Antike oder mittelalterliche Spuren vermochte ich nicht zu entdecken; (vgl. oben S. 57, Alt-Spata
westlich von Stamäta).

Östlich gegenüber liegt auf der anderen Seite des Baches hoch am Bergabhange die Kirche
H. Triada, welche nur im Innern zwei kleine korinthische Marmorkapitelle mit Spitzblättern enthält.

Auf nordwestlichem Wege von Spata aus betreten wir den südlichsten Theil jenes welligen,
acker- und heerdenreichen Hochlandes, welches trotz einzelner Erhebungen und der tiefen Einschnitte
zahlreicher, unter Oleandergebüsch dahineilender Rinnsale, immerhin den Charakter einer ziemlich aus-
gedehnten Ebene trägt. Dieselbe nährt heute vier z. Th. stattliche Dörfer: Kapandriti, Masi,
Tsiurka und Liossia, welche nördlich und westlich aufserhalb des Bereiches unserer Karte liegen. Da-
gegen fallen in denselben die Vereinigungspunkte der bedeutenderen Wasserrisse dieser Landschaft mit
dem westlich vom Hauptgrat des Parnes herkommenden Hauptflufse (der Charadra von Marathon); es
münden auf dem rechten Ufer: von Südwesten das Rhevma des Passes von Katiphori, von Westen ein
vor Liossia entspringendes, auf dem linken Ufer (südwärts) die Bäche von Masi und von Kapandriti.

Die in ihren Resten wahrnehmbaren mittelalterlichen und antiken Ansiedlungen hatten sich die Pla-
teaus über den nicht zu steilen Uferrändern erwählt. Auf der rechten (südlichen) Bachseite kommt zu-
nächst namentlich die Strecke zwischen den Mündungsstellen der Rhevmata von Katiphori und von
Liossia in Betracht. Um die Krümmung des Hauptflufses und das zerrissene Felsgebiet von Gurma
andriomeni („menschliche Fufstapfen") auf seinem linken Ufer zu vermeiden, hat ihn die Thalstrafse
hier überschritten. Dafs dieselbe ungefähr die alte Richtung bewahrt, scheinen einige Grabhügel zu er-
weisen. Besonders stattlich ist der grofse, westliche Tumulus (a. d. Karte: „Grab mit Mauereinfassung") mit
flacherem, südlichen Nebenhügel, den eine grofse, verkrüppelte Fichte krönt. Die Mauerspuren scheinen
auf eine viereckige Einfassung zu deuten. Als Halbkreis des Hügels mafs ich etwa 70 Schritte. Von
der Spitze ist ein Ausgrabungsschacht herabgetrieben, doch schwerlich bis zu genügender Tiefe; wie
man mir in Kapandriti angab, rührt der Versuch von Finlay (dem ehemaligen Besitzer von Liossia) her;
als Funde wurden „zwei Thonkrüge mit Bleiverschlufs" genannt.

Das einst bewohnte, von den Wasserrissen umzogene Gebiet, denen aus den Rändern noch
mehrere Quellen zufliefsen, weifst Fundamente von Häusern, von 2 „Pyrgoi" (der östliche wohl antik)
und Mauereinfassungen (Befestigung?) auf; daneben eine Anzahl Vorrathsgefäfse im Boden, viele Thon-
scherben und mehrfach grofse antike Quadern, so namentlich auch am westlichen Ende bei der „ver-
fallenen Kapelle."
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