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Curtius, Ernst [Editor]; Kaupert, Johann A. [Editor]
Karten von Attika (Heft VII-VIII): Erläuternder Text — Berlin, 1895

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https://doi.org/10.11588/diglit.775#0030
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die langgestreckte Halbinsel; vgl. die Karte von Marathon. Mit dem Kwög aqua bei Plut. Themist. 10,
zu welchem die Geschichte von dem herüberschwimmenden Hunde des Xanthippos erfunden ward, ist
offenbar dieselbe Ortlichkeit gemeint. Von dem Siegesdenkmal der Schlacht bei Salamis hiefs sie dann
auch Tqonaia äxqa: Schol. Aeschyl. Pers. 303 Silqviai, alyiaXög ean xrjg SaXafitvog xqg leyo/ievqg Tqonaiag
axqag. Zum Tqönaiov vgl. Paus. I, 36, 1 und 'Eytju. aq%. 1884 S. 169 Z. ^3. Der Name der äxral 2ii.qviaiv
des Aischylos scheint sich merkwürdig conservirt zu haben in der Stätte Selinia an der südlich angren-
zenden Küste; s. d. Karte.

Die nördliche, mehr gerundete Landzuge mit der stumpfen Endigung Punta, ursprünglich wohl
eine erst durch Anschwemmung mit dem Festlande verbundene Insel, ist der zönog /«ggoj'flO'osttJ^s des
Strabo (p. 393), auf dem ein Theil der Stadt Salamis mit dem Hauptcastell erbaut war. Die mit der
Ruine einer Windmühle gekrönte Höhe lässt noch heute ein System geradliniger und rechteckiger
Mauerzüge von der alten Befestigung wie von gröfseren öffentlichen Bauten erkennen. Zu dem, was
jetzt die Karte bietet, kommt, aus den dreifsiger Jahren und daher gewiss noch vollständiger, eine Skizze
der Stadtlage nebst Notizen von der Hand des Architekten Eduard Schaubert, die sich mit seinem
übrigen literarischen Nachlass im Museum der Universität Breslau befindet. (Vgl. darüber den ein-
gehenden Bericht von F. Koepp, Arch. Anz. 1890 S. 128 fg.) Zu der Zeichnung, welche wohl eine Auf-
nahme unter den zu publicirenden attischen Specialplänen verdient, bemerkt Schaubert (bei Koepp S. 139):
„sehr regelmäfsige Anlage, Strafsenzüge und Terrassen parallel mit der Hafenmauer — vielleicht unten
an der See, wo eine Ebene ist, der Markt". Unterschieden wird „schlechtes Mauerwerk von unregel-
mäfsigen kleineren Steinen", und „Mauerwerk von regelmäfsigen Quadern aus der besten Zeit". „Polygon
kommt wenig oder gar nicht vor". Koepp fügt hinzu: „man denkt bei dem Plan unwillkürlich an eine
Anlage des Hippodamos" und sicherlich ist daran festzuhalten, dass wir es mit einer verhältnissmäfsig
jungen, einheitlichen Städtegründung zu thun haben, — eben mit der Hauptstadt des attischen Salamis.

Auch für die besonderen, uns bekannt gewordenen Anlagen der Stadt, namentlich ihre Heilig-
thümer, ist die Annahme höheren Alters in keinem Falle geboten. Einige Analogieen zu Athen und dem
Peiraieus sind überdies wohl nicht blofs zufälliger Natur.

Pausanias erwähnt zuerst (I, 35, 3) die Baureste des Marktes (uyoqäg eqeimu), der sicherlich, wie
die folgende Beschreibung (s. unten) erkennen lässt und wie schon Schaubert annahm, in der Niederung
nahe dem Westende des Hafens lag. Mit der Agora zusammen wird der Tempel des eigentlichen Stadt-
heros, Aias, das auch in den Ephebeninschriften mehrfach erwähnte Aianteion genannt (vgl. z. B. C. I. A
11,467,25; 469,87; 470, 17, hier zusammen mit dem ihm im Cult vielleicht verbundenen Asklepios
'Efijfi. äq%. 1884 S. 170, 32 Tep,ev\og} A'iavxog). Ebenda dürfen wir, wie zu Athen, einen Altar der zwölf
Götter ansetzen (C. I. A. I, 420); auch die erst im 4. Jahrhunderte errichtete Statue des Solon stand
auf dem Markte (Aischin. I, 25. Demosth. XIX, 251); die Bilder der Demokrateia (C. I. A. TL 470, 62)
und der Salamis (C. I. A. II, 962) sind gleichfalls hier zu vermuthen. In zwei Klerucheninschriften aus
dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. (C. I. A. II, 594. 595) ist von Herstellungsbauten an einer südlichen
Halle und einer Exedra die Rede, die zum Markte oder zu einem ebenda erwähnten, gewiss nicht
weit entfernten Gymnasium gehörten; mit diesem verbunden war wohl der Hermescult, an den sich
das im ersteren Decret erwähnte Fest der "Eqpaia knüpfte. Sonst kennen wir in Salamis namentlich
noch dasjenige der Dionysien (C. I. A. II, 469, 82; 594; eine choregische Weihinschrift C. I. A. II, 1248).
Die Lage des Theaters ist noch nicht ermittelt.

Nachdem Pausanias sich vom Markt zum Hafen gewandt hatte, um in dessen Nähe einen Stein

zu erwähnen, auf dem angeblich Telamon gesessen habe, hebt er (36, 2) wieder an: ev Salaptvi de --------

tovro ftev ^^iqxi^idog eativ Isqov, iovto de xqönaiov edrijxev u. s. w. Die Antithese xovto fiev — xovto de lehrt,
dass wir es mit Anlagen zu beiden Seiten des vorhergehenden Standpunktes, des Marktes und Hafen-
ufers, zu thun haben, was durch die bereits bekannte Lage des Tropaion auf der Landzunge Kynosura
bestätigt wird.

Auf der nördlichen Halbinsel also hatte Artemis ihr Heiligthum, — eine Xijxevocxonog, wie die
Munichia im Peiraieus. Ja es scheint, dass ihr hier wie dort auch die Bendis zugesellt war, zumal
da das Thiasotendecret, welches in ihrem leqöv aufgestellt werden sollte (C. I. A. II, 620; eine andere
salaminische Thiasoteninschrift ebenda 987) thatsächlich auf der Höhe des Windmühlenberges ge-
funden wurde.

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