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Curtius, Ernst [Editor]; Kaupert, Johann A. [Editor]
Karten von Attika (Heft VII-VIII): Erläuternder Text — Berlin, 1895

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https://doi.org/10.11588/diglit.775#0029
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III. Salamis und die Meerenge.

(Blatt XXI—XXIII.)

Die Insel Salamis (auch 2aA,afiiv, Hesych. s. v.; Pityussa nach Strabo p. 393 von dem einstigen
Reichthum an Kiefern; „Kychreia" und „Skiras", ebenda, sind lediglich mythisch-poetische Ableitungen)
trug offenbar schon im (späteren ?) Alterthum den von ihrer gekrümmten Form hergenommenen Populär-
namen KüIuris (heute Kuluri — Bretzel; nach Schol. Euseb. praep. ev. IV, 16 so bereits in der Hekale
des Kallimachos. Sehr mit Unrecht vermuthet daher C. Müller, Fr. Hist. Gr. V S. 3 statt dessen
Kvvovglg.)

Strabo a. a. O. giebt die Länge des Eilandes auf etwa 70 oder 80 Stadien an; da der Abstand
des nördlichsten Punktes vom südlichsten etwas über 15km, der des westlichsten vom östlichsten fast
17 km beträgt, so kommt jene zweite Angabe der Wirklichkeit näher. Der Flächeninhalt ist bisher an-
scheinend am genauesten (s. Beloch, Die Bevölkerung der griech.-röm. Welt S. 56, von Strelbitzki) auf
93,5 qkm berechnet worden.

Um die von Westen her tiefeinschneidende Bucht von Kuluri ist Salamis mit seinen drei ge-
birgigen, durch Ebenen verbundenen Hauptmassen nördlich, östlich und südlich herumgelagert. Der
mittlere, östliche Theil wird vom Mavro Vuni eingenommen, das mit seinen Gipfeln von 404,8 m und
379,6 m die gröfsten Erhebungen der Insel aufweist. Das südliche Drittel, von dem vorigen nur durch die
Einsenkung des Thaies von Katsi (Kaki? s. unten S.36) Vigla geschieden, ist im Wesentlichen gleichfalls
compaktes Gebirgsland, aus dem die Felsgrate Kamboli und (südlich) Kokki mit 355,1 und 276 m her-
vorragen. Während sich in diesen beiden, nach Südwesten gestreckten Partieen die Formation des attischen
Korydallos über die Meerenge hinaus fortzusetzen scheint, bildet das durch die breiteren Zwischenebenen
bei Ambelaki und Kuluri von der Mitte abgetrennte Nordgebiet gleichsam eine Vermittelung nach Westen,
zur Megaris hin, wie ja in seinen beiden Bergstöcken (Restis im Südwesten bis zu 260,2 m hoch und
Patsis im Nordosten, 248,4 m) die Richtung der Geraneia und der Kerata unverkennbar nachwirkt (vgl.
auch Neumann - Partsch, Phys. Geogr. v. Grld. S. 172). Eine gleiche westöstliche Tendenz ist übrigens
auch den anderen Gebirgszügen von Salamis eigen, wenn man sie isolirt betrachtet.

Die nähere Ortsbeschreibung beginnt füglich mit dem gesichertsten Ausgangspunkt, der Lage
der historischen Stadt Salamis, um von hier aus die Topographie der Meerenge zu erörtern und
demnächst die übrigen von der alten Tradition überlieferten Punkte aufzusuchen.

Das ebene Weingelände des darnach benannten Albanesendorfes Ambelaki (mit 876 Einwohnern
nach der Statistik von 1879) bildet den westlichen Hintergrund einer Bucht, die im Norden und Süden
von felsigen, weit ins Meer vorspringenden Landzungen begrenzt wird.

Die südliche, nicht weniger als 3i km lange, ist ein durch die Berge Velanidi und Palaeothyresa
vermittelter Ausläufer des Mavro Vuni (s. oben) und endigt in dem spitzen Vorgebirge Varväri, nach
einer (jetzt verschwundenen) Kapelle der H. Barbara benannt. Der antike Name Kynösura steht für
dieselbe hinreichend fest (Herod. VIII, 77: der Orakelspruch von der Überbrückung des Gestades der
Artemis [Munichia] und der slvaklij KvvöaovQa durch die Perserfiotte). Der Name passt überdies allein auf
 
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