Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

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zu haben. Man liebte das Eßzimmer alt-
deutsch, weil Essen und Trinken so was
besonders deutsches hatte, das Schlaf-
zimmer und den Salon Rokoko — man
ließ sich seine Empfindungen von Tischler
und Tapezierer in Zimmern parzellieren,
man schwärmte für Tüllvorhänge, Kamel-
tasch, Überzüge aus gepreßtem Samt, In-
tarsien aus Perlmutter in Ebenholz, guß-
eiserne Ständer-Lampen, Makartbukette
und Prachteinbände — rote Leinwand mit
Goldpressung — auf dem Salontisch.

Nun, diese Sache mußte bis ans Ende
durchgemacht werden. Und das Ende

kam, als man über die Wunder des Eisen-
gusses und der gedrechselten Tischbeine
nicht mehr staunen konnte und im neuen
Reichtum eine Generation herangewachsen
war, die Zeit und Muße hatte, sich um
eine bessere kulturelle Bildung umzutun
als die der spekulierenden Väter war
Diese zwei Dinge: die Erschöpfung der
Maschine, die alles konnte, und die neue
Generation, die darin nicht nur nichts
Besonderes mehr sah, sondern etwas
Lebensfeindliches, diese beiden Umstände
brachten zur Besinnung. Stil muß der
formale Ausdruck seiner Zeit sein, und



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