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Ness, Wolfgang
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 2): Stadt Hannover — Braunschweig, 1985

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https://doi.org/10.11588/diglit.44415#0092
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die südlich in der Gartenstadt in die Tat umge-
setzt wurde.
Stattdessen entstanden hier hauptsächlich
mehrgeschossige Miethäuser in Blockrand-
bebauung mit Kleinwohnungen, so daß sich
von Süden nach Norden fortschreitend -
Landhausviertel, Gartenstadt, Mietwoh-
nungsbau - ein soziales Gefälle der Wohnbe-
bauung konstatieren läßt.
Noch unter Paul Wolf baute die Kleefelder
Wohnungsbaugenossenschaft 1919/20 an
der damaligen Scheidestraße (heute Berck-
husenstraße)/Ecke Schultze-Delitzsch-Stra-
ße eine Hausgruppe von 16 Häusern, in deren
Eckbau die Geschäftsräume der Genossen-
schaft untergebracht waren. Adolf Haro war
der Architekt sowohl dieser viergeschossigen
Bauten als auch der anschließenden Miethäu-
ser Berckhusenstraße 59—67/Schaperplatz 1
(1925/26) und Schaperplatz 2/Berckhusen-
straße 69-75(1926/28).
In rascher Folge wurden die vier Baublocks
südlich der Berckhusenstraße bebaut. Neben
der Kleefelder Baugenossenschaft waren
zwei kleinere Baugenossenschaften, die Gag-

Maneckestraße 1-16, Wohnhäuser, 1927,
Architekt A. Haro



Spilckerstraße 1 -8, Wohnhäuser, um 1928,
Architekt R. Schröder

fah und die Stadt Hannover Bauträger. Im
Gegensatz zu dem geschlossenen Siedlungs-
grundriß steht die unterschiedliche Formen-
sprache der Bebauung einzelner Straßen, die
jeweils die bevorzugten stilistischen Merkma-
le des ausführenden Architekten erkennen
lassen. Einheitlich ist lediglich die durchge-
hende Anwendung der Putzbauten.
Die viergeschossige Bebauung der Südseite
der Berckhusenstraße ist stark horizontal ge-
gliedert durch bandartige Gesimse, breite
Dachgauben und ein Attikageschoß auf der
Rückseite. Rhythmisiert werden die langen
Fassaden durch die Treppenhausachsen, die
dreieckig aus der Wandfläche vorspringen
(Nr. 22-32), durch Putzbänder gerahmt sind
(Nr. 54-60) oder mit den seitlichen Fenster-
achsen aus der Wandfläche vortreten und or-
namental hervorgehoben sind (Nr. 38-52).
Die Eckbauten an den einmündenden Stra-
ßen setzen besondere städtebauliche Akzen-
te (Spilcker-, Ebell-, Maneckestraße): Die
Ecksituation wird betont durch ein weit ausla-
dendes Mittelgeschoß auf konsolenartigem
Unterbau und durch ein ausgebautes Dach-
geschoß unter eigenem Dach, das von den


unteren Geschossen durch einen Fußwalm
des Hauptdaches abgesetzt ist. Hinzu kom-
men zu den Seitenstraßen polygonale Trep-
pentürme mit Pyramidendächern und expres-
sionistisch anmutendem Dekor.
Die dreigeschossige Bebauung der Seiten-
straßen ist überwiegend traditioneller, wobei
auf die Gestaltung des Straßenraumes beson-
derer Wert gelegt wurde. In der Manecke- und
Juglerstraße sind die Ecken akzentuiert durch
vorspringende Baukörper mit Walmverda-
chung; der zurückliegende langgestreckte
Mittelteil erweitert mit den vorgelegten Gärten
die Straße fast platzartig (1927, Architekt
Adolf Haro). Von besonders schlichter Gestalt
sind die Bauten der Ebellstraße (um 1928, Ar-
chitekt Wilhelm Mues), die direkt auf den
Schaperplatz zuführt. Hier ist der breite Mittel-
streifen der Straße durch eine zweireihige
Baumanpflanzung begrünt. An der Absen-
kung der Straße zur Bahnunterführung im Sü-
den faßt eine Mauer mit Treppenanlage die-
sen Mittelstreifen ein.
Aufgrund ihrer strengen, fast funktionalisti-
schen Bauauffassung fallen die Wohnbauten
in der Spilckerstraße auf (um 1928, Architekt
Rudolf Schröder). Die horizontalen Fenster-
bänder der grauen Putzbauten konstrastieren
mit den senkrechten Fensterachsen der vor-
gezogenen Treppenhausschächte. Die ein-
heitlich mit einem niedrigen Putzmäuerchen
und schlichtem Gitter gefaßten Vorgärten zie-
hen die Blockbebauung dieser Straße zusam-
men.
An der nördlich der Bahnlinie entlangführen-
den Sievertstraße ist die Bebauung herunter-
gestuft auf zweigeschossige Reihenhäuser,
die in vier Gruppen zu acht bzw. neun Häu-
sern aufgeteilt sind. Zeigen die Zeilen Nr.
4-11 keinen oder wie bei Nr. 20-28 (um
1928, Architekten Saran & Hoffmann) nur we-
nig Dekor, so weisen die Häuser Nr. 12-19
bzw. 29-37 originelle gestalterische Lösun-
gen auf. Die langen Häuserzeilen sind durch
nach innen gerückte „Querriegel“ unter
Zwerchdach gerahmt. Der dadurch abge-
grenzte Mittelteil hat laubengangartige Balko-
ne erhalten, deren geschnitzte Stützen das
weit vorkragende Dach abfangen.
Die Innenhöfe der Baublöcke sind gärtnerisch
gestaltet. Die Einfamilienhäuser der Sievert-
straße haben eigene Hausgärten. Zu den
mehrgeschossigen Miethäusern gehören teil-
weise ebenfalls einzelnen Wohnungen zuge-
teilte Gärten. Die Restfläche ist als gemein-
schaftliches Grün genutzt.
Die Bebauung des sich nördlich der Berckhu-
senstraße anschließenden Viertels entstand
zwischen 1927 und 1933 überwiegend durch
die Baugenossenschaft Hannover-Kleefeld.
Die Qualität dieses Bereichs liegt weniger in
der Durchgestaltung einzelner Baublocks als
vielmehr in der räumlichen Struktur der Stra-
ßen- und Platzräume, die durch diese Bebau-
ung gebildet wird. Die Fassadengliederung
der drei- und viergeschossigen Putzbauten ist
dementsprechend höchst sparsam: betonte
Mittelachsen, vorgezogene Treppenhausbe-
reiche, gelegentliche Geschoßunterteilungen
durch umlaufende Gesimsbänder. Von diesen
weitgehend einheitlichen hellgrauen Putzbau-
reihen hebt sich die Bebauung am Schaper-

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