Dümichen, Johannes [Editor]
(Band 1): Resultate der auf Befehl Sr. Majestät des Königs Wilhelm I. von Preussen im Sommer 1868 nach Aegypten entsendeten Archäologisch-Photographischen Expedition — Berlin, 1869

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lieber die in Dtimichen's Publicationen zur Mittheilung gebrachten

Thierdarstellungen

Prof. Dr. Robert Hartmann.

So lange man Aegyptologie treibt, ist unseres Wissens noch
von keinem der Herren Aegyptologen in so kurzer Zeit der
Wissenschaft ein so reiches Material zugeführt worden, wie durch
den Herausgeber dieses Werkes. Nicht weniger als 9 umfang-
reiche Bände mit hieroglyphischen Inschriften und bildlichen Dar-
stellungen aus verschiedenen Tempeln und Gräbern Aegyptens
sind von Dümichen in den letzten drei Jahren veröffentlicht
worden. Unter diesen Publicationen verdienen namentlich „Die
Flotte einer ägypt. Königin", der II. Thl. der Historischen
Inschriften und das vorliegende Werk die Beachtung des Natur-
forschers, weil hier auf den, altägyptisches Culturleben darstellen-
den Tafeln eine nicht unbedeutende Anzahl von wilden und ge-
zähmten Thieren, sowie von Hausthieren zur Mittheilung gebracht
sind. Es ist bekannt, dass gerade in der Thierzeichnung die alt-
ägyptischen Künstler so Vortreffliches geleistet haben, und so sind
denn auch die in den vorgenannten Werken abgebildeten Thiere
(den Monumenten des 3. Jahrtausends und 17. Jahrhunderts v. Chr.
entnommen) zum grossen Theil mit so ausserordentlicher Schärfe
charakterisirt, dass sich dieselben mit voller Sicherheit, dem Systeme
einreihen, dass sie sich wissenschaftlich bestimmen lassen, wenn
auch einige, z. B. eine Anzahl von Antilopen, namentlich wegen
Mangels der Kolorirung an den in Relief ausgeführten Originalen
sich weniger sicher, vielmehr nur annähernd diagnosticiren lassen.

Jedenfalls liefert die zoologische Untersuchung dieses höchst
werthvollen Materials einen nicht unerheblichen Beitrag zur Ge-
schichte der Thierwelt Afrikas, und komme ich daher Dümichen's
freundlicher Aufforderung, darüber einen kleinen Anhang zu vor-
liegendem Werke zu liefern, im Folgenden gern nach. Es finden
sich zunächst viele Säugethiere dargestellt.

So begegnen wir Hist. In sehr. II, Taf. XIV dem Bilde eines

gezähmten ^ ^§\ Kafu (K6f, Kijfcog), eines Pavianes (Cy-

nocephalus Bahuin Desm."), der in mannigfachen, bis jetzt nur höchst
mangelhaft bestimmten Abarten durch das ganze tropische Afrika,
von Habesch bis nach Mocanibique und Guinea hin, gefunden wird.
Dieselbe Art ist auf Taf. XV ausgeführt und auch schon in Dü-
michen's Werk über die Flotte einer ägyptischen Königin neben

dem davon wohl unterscheidbaren ~ ' ___o Y\ Anau der Hierogly-

phen, Cynoeephalus ffamadryas Desm., abgebildet worden. Der
Bahuin findet sich nur in Afrika, nicht in Asien, wird also auf der
schon damaligen Verkehrsstrasse des rothen Meeres durch die
Schifie von der abyssinischen Küste mit herübergebracht worden
sein, wogegen der Hamadryas auch in den arabischen Bergen haust.

Hist. Inschr. II, Taf. III sind zwei zahme Geparden {Fe-
lis juhata Schreh) dargestellt, wie sie am Strick geführt werden,
mit. der bedeutungsvollen, inschriftlichen Angabe: „sie werden her-
beigebracht unter den Kostbarkeiten des Landes, bestimmt für den
Dienst Ihrer Majestät." Taf. XVII desselben Werkes, oben links
in zweiter Reihe, sind zwei andere gezähmte Geparden abgebildet,
sowie einer in der Originalgrösse des Denkmals mit scharfer Cha-
rakterisirung seiner typischen Form auf Taf. LXI. In dieser letzt-
genannten Darstellung sind auch die vom inneren Augenwinkel
zum Mundwinkel herabziehende Binde (in natürlicher Färbung
schwarzbraun), sowie die nur wenig zurückziehbaren Krallen in
Umrissen angegeben, natürliche Attribute jener graziösen Katze.
Es lässt sich aus diesen Darstellungen und den sie begleitenden
Inschriften mit einiger Wahrscheinlichkeit entnehmen, dass der Ge-
pard von den alten Aegyptern, ganz so wie von den alten Abyssi-
niern, wie von dem heutigen Berberstamme der Beni-M'Zab (Alge-
riens Sahara) und von den älteren, wie neueren Indern zur Jagd
(auf kleinere Antilopen) abgerichtet worden sei.*)

Leoparden (Felis leoparrlus Sehr.) sind auf den von Dümi-
chen zusammengestellten Tafeln mehrfach abgebildet worden, so
Hist. Inschr. II. Taf. XIV in noch wohl erkennbaren Resten, ferner
auf Taf. XVII und in der Originalgr. des Denkmals auf Taf. LX,
dasselbe Thier nochmals Fl. Taf. XII; in beiden Fällen werden
diese Thiere im gezähmten Zustande am Stricke geleitet. In dem
vorliegenden Werke: Resultate der archäolog. photogr. Ex-
pedition, Taf. IX sieht man ein derartiges Thier in einem Käfig
von Leuten gezogen, während in einem darunter befindlichen Käfige
man einen schwachbemähnten Löwen der Ebenen Sennär's er-
blickt.

Sehr interessant ist eine Resultate Taf. IX links oben abge-
bildete Gruppe zweier ausgewachsenen und eines jungen, hyänen-
artigen Thieres. Man könnte sich beim oberflächlichen Anblick
dieser Geschöpfe veranlasst, fühlen, zunächst an die in Afrika süd-
lich vom 17—15° N.-Br. überall gemeine, gefleckte Hyäne,
Krokotlas des Diodor, Marrafil der Sudanesen (Hyaena crocuta
Zimmerm.'), zu denken. Allein die kurze, doggenartige Schnauze,
die ziemlich breiten, steil aufgerichteten Ohren, das höhere Vorder-,
das niedrigere Hintergestell, endlich der lange, buschige Schwanz
erinnern noch weit eher an den (auch schon im fälschlich soge-
nannten Königsgrabe von Saqärah unverkennbar abgebildeten)

*) Vergl. Hartman».: Geographische Verbreitung der im nordöstlichen Afrika
wild lebenden Säugethiere. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde ?u Berlin.
Bd. III. S. 57.

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