Fliegende Blätter — 62.1875 (Nr. 1537-1562)

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110 Ein alter Roma

Wer ist doch die reizende, liebliche Braut
Den Myrthenkranz im Haare?

Sie wird dem reichen Baron getraut,

Er führet sie stolz zum Altäre.

Es standen viel Menschen ringsumher,

Man nannte mir ihren Namen.

Ihr Kleid und den Schleier bewunderten sehr
Die in Andacht versammelten Damen.

Der Priester fragte den Bräutigam,

Sein „Ja" klang laut im Kreise.

Und als an das Bräutchen die Frage kam,
Es flüsterte „Ja" ganz leise.-

Mich trug's in Gedanken weit hinweg
Zurück in vergangene Jahre,

Ich sah vor mir einen lieben Freund,

Der lag ans der Todtcnbahre.

Ein Krieger war's, ein wackerer Held,

Der für seinen König gestritten.

Er hatte im Kanipf auf dem blutigen Feld
Den Tod der Ehre gelitten.

Ich sah ihn liegen so lang gestreckt —

Die Kugel ging mitten durch's Herze!

in neuen Versen.

Ich Hab' mit dem Mantel ihn zugedeckt
In tiefem, unsäglichem Schmerze.

Da fiel fein Tagebuch mir in die Hand
Drinn' waren zwei Briefe geborgen,

Und auf einem Blatte geschrieben stand,

Ich sollte den Rücklaß besorgen.

Ich las die Briefe. Bon zarter Hand
Geschrieben waren die beide».

In dem einen mit artigen Worten stand,

Sie müsse verneinend entscheiden.

Sie danke für seine Bewerbung sehr.

Sie könne die Hand ihm nicht schenken.

Sonst waren es Worte — inhaltleer
Nur bat sie, nicht ihrer zu denken.

Der andere sprach in unendlicher Gluth
Von tausend Schwüren und Küssen.

„Zum Briefe zwang mich des Vaters Wnth
Ich habe ihn schreiben müssen.

Mein Herz ist ewig Dein eigen nur
Ich schenke es Dir auf's neue.

Ob man uns trenne, Gott hört den Schwur
Ich schwöre Dir ewige Treue!" —

Ich sah den Todten mit Wchmuth an.

Ich legte an's Herz ihm die Briefe;

Sic wurden mit ihm hinabgesenkt
In des Grabes ■ schweigende Tiefe.

Doch da am Altar beim Kerzenschein
Den Treuschwnr vernommen ich habe.

Da fiel mir der Name des Mädchens ein —

Er steht auf den Briefen im Grabe.

u. Miris.

Sonderbare Moral.

(Schwäbisch.)

„Sie, Frau Nachbarin, i' hütt Sic 'was zu sage, aber Sic
muß 's mir bei Leib nit übel nehme, i' mein's halt mit Ihrem
Bub'n, dem Xaverl, nur gut, und schau'n S', wenn S' ihn »i* :
besser ziehe, nachher wird's eba a' Erzschelm! Denken S' Ihne,
gestern hat er in unserm Obstgart'n an ganz'» Korb Aepfcl
gschtohle! Thun S' ihn ermahne und geb» S' ihm a' gelinde
Straf', daß er sich bessert!" — „Jesses, ischt dös mögli'! An
ganz'n Kratt'n Acpfel! Des ischt a' rechter Galgestrick, na,
dem wcrd' i' 's Schtchle verleide! I' dank Ihne, Frau Nach-
barin, daß S' mer's g'sagt hend!"

(Zu Hause.)

„Na wart, Du Allcrweltsschlingel, Du! So muß i' hinter
Demi Pfiff komme!? Gelt Du schlau's Füchsle, gestern hast
der Frau Mäusle an ganz'n Kratt'n Acpfel gschtohle. Schämst
| Du Ti' net. Du neidiger Hund! An ganz'n Kratt'n voll schtchle

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein alter Roman in neuen Versen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Watter, Joseph
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Eheschließung <Motiv>
Geistlicher <Motiv>
Kirchenbau
Karikatur
Brautpaar
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 62.1875, Nr. 1550, S. 110 Universitätsbibliothek Heidelberg
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