Polska Akademia Umieje̜tności <Krakau> / Komisja Historii Sztuki [Editor]; Polska Akademia Nauk <Warschau> / Oddział <Krakau> / Komisja Teorii i Historii Sztuki [Editor]
Folia Historiae Artium — NS: 10.2005

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sondere Anspannung nicht wahrnehmbar, die uns
vermuten lasst, dass sich vor den Augen des im
Garten Getsemani betenden Christus das yerkiin-
dete Opfer vollzieht. Eine augenfalhge Akzentuię-
rung der Verbindung des am Olberg betenden (lin-
ker Fliigel) mit dem gekreuzigten Christus (Haupt-
szene) ist im Kreuzigungsaltar von Tilman Rie-
menschneider in Dettwang sichtbar81.

Der Olberg von Ptaszkowa umfasste urspriinglich
die heutzutage nicht erhaltenen Reliefelemente
rechts oben (Felsen, vermutlich auch Engel mit
Kelch), er war also hóher ais jetzt. Die ganze Altar-
tafel war oben mit einem Ornament gekront und
hatte die Form eines langlichen, wertikalen Recht-
ecks. Der ganze Fliigel des Triptychons konnte also
lediglich zwei solche Tafeln umfassen.

Gotische Flugelaltare, die den ideellen und asthe-
tischen Anforderungen der nachfolgenden Epochen
nicht gerecht werden konnten, haben meistens
nicht iiberdauert. Die dazugehorenden Bilder und
Skulpturen sind jedoch haufig wiederverwendet wor-
den. Sie wurden neuen Ensembles angeschlossen,
haufig haben sie auch den Besitzer gewechselt82. Ei-
nen solchen Weg legte yermutlich auch der Olberg

ska płaskorzeźby drewnianej polichromowanej „Modlitwa Chrystusa
iv Gaju Oliwnym”, Krakau 1985 (Typoschrift im Archiv der
Pfarkirche in Stryszów).

81J. Hotz, Tilman Riemenschneider, Miinchen 1977, S. 61.

zuriick, bevor er aus Krakau in die Nische an der AuBen-
wand der Pfarrkirche in Ptaszkowa kam. Die in
schriftlichen Quellen nachgewiesenen bildhaueri-
schen Werke StoB’ aus der ersten Halfte der Neun-
zigerjahre des 15. Jh. sind fur die Marienkirche ent-
standen83. Es ist wahrscheinlich, dass sich das Relief
mit dem Gebet am Olberg unter den verschollenen,
yerstreuten und niemals erkundeten Werken befand.

Der spatgotische, in Holz geschnitzte Olberg in
Ptaszkowa ist yermutlich das eigenhandige Werk
von Veit StoB aus der ersten Halfte der neunziger
Jahre des 15. Jh. Seine Autorschaft scheint von ei-
ner yerstecken Signatur bestatigt zu werden. Die-
ses Werk erganzt das liickenhafte Bild des Schaf-
fens des Meisters in den letzten Jahren seines Auf-
enthalts in Krakau, aus der lediglich Steinskulptu-
ren iiberdauert haben, um ein „yerschollenes”, un-
bekanntes schnitzerisches Kapitel. Dies fiihrt zu
der Erkenntnis, dass die nach der Ankunft in Niirn-
berg erfolgten Anderungen im Stil von Veit StoB,
dereń Ausdruck das Volckamer-Epitaph ist, bereits
wahrend seiner Krakauer Zeit begonnen haben.

Ubersetzung Małgorzata Behlert

82 Ziomecka, a.a.O., S. 8, 16—17.

83 VgL: J. Ptaśnik, Cracovia artificum 1300—1500, Krakau
1917, Nr. 1108-1109, 1115, 1163, 1204 (Źródła do Historii
Sztuki i Cywilizacji w Polsce, IV).
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