Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 2.1927

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PORZELLANMALEREI

Kölner Werkschulen, Klasse Prof. Riemerschmid

weil ihre Natur es befiehlt, die nicht duldet,
daß die Kräfte, die sie in gnädiger Willkür
verschenkt hat, ungenützt verkommen. Sie
müssen weiterbildend und neuschaffend
zerstören, die andern müssen sichernd und
wiederholend bewahren. Nicht die eine
Gruppe steht hoch, die andere weit unter
ihr, so ist's nicht. Beide sind gleich wert-
voll, gleich unentbehrlich, so wie der gute
Hausarzt, der alles bestehende Können und
Wissen der ärztlichen Kunst besitzt und an-
zuwenden versteht, ebenso unentbehrlich ist,
wie der forschende Arzt, der täglich Neu-
land erobert, und feststehende Kenntnisse
und Erfahrungen umstürzt.

Aber sie sind von verschiedener Art und es
liegt in der Sache, daß immer die Gruppe
der Ausführenden groß, die der Neu-
schaffenden klein sein muß:. für die Bil-
dung und Erziehung beider muß Sorge ge-
tragen werden. Für die Vielen brauchen
wir viele Schulen, für die Wenigen nur we-
nige. Auf vielen Schulen muß ausfüh-
rendes Handwerk das Lehrziel sein. Die
guten und die besten Vorbilder in den Hän-
den der Schüler sollen gute Sitte und Ge-
wohnheit festigen; nicht ein starrer Aber-
glaube, sondern was die Besten ihrer Zeit
glauben, soll als Lehre festgehalten werden.
Auf wenigen Schulen muß das Lehrziel ein

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