Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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dem Ausdrücken einer Form begnügt, son- gcwerbe eine innere Gemeinschaft besteht:
dern den viel mühsameren Weg des direk- sie braucht aber nicht auf dem Spieleri-
ten Aufziebcns" des gleich für den Brand sehen, dem Dekorativen zu beruhen, — sie
bestimmten hohlen Stückes vorzieht, nur kann tieferen Sinnes sein: das, was an der
weil auf diese Weise allein das im Material kunstgewerblichen Bewegung gesund und
verborgene Leben ganz zum Ausdruck zukunftsreich ist, das ist ja nicht im minde-
kommt. Und so wird auch, besonders wie- sten die Spielerei mit den Objekten und das
derum von Gies, in Holz in einer ganz neuen Ornament, sondern der Trieb zur Gestal-
Weise gearbeitet, oder es entsteht aus einem tung realer Dinge, — im Gegensatz zu der
besonders geformten Stück Elfenbein in Welt des „Scheins", die die eigentliche „bil-
mühseliger Arbeit eine Plastik, die, so wie elende" Kunst im alten Sinne schafft. Auch
sie ist, nur gerade aus diesem einzigen Stück in diesen, aus Naturstoffen geschaffenen
entwickelt werden konnte. Dingen steckt echte „Natur" —, so daß also
Die Gefahren, die diese Art der Arbeit in der besonders naheliegende Einwand: hier
sich birgt, sollen nicht verschwiegen wer- würde die Naturform vergewaltigt und das
den: sie liegen in dem, was man mit einem hätte noch immer die Kunst ins Verderben
nun schon etwas abgebrauchten Wort das geführt, nicht zu Recht besteht. Auch hier
„Kunstgewerbliche" zu nennen pflegt. Es handelt es sich um ein Arbeiten im Dienste
ist auch zuzugeben, daß schon jetzt — viel- der gestaltenden Natur. Auch hier gilt es,
leicht auch: jetzt noch, denn wir stehen erst die im Stoff verborgene lebendige Kraft
am Anfang — diese Gefahr nicht immer sichtbar zu machen und nach den natür-
vermieden wird, daß sich manches Spiele- liehen Gesetzen — die nicht immer mit den
rische, manche Manieriertheit in diesen Ar- Gesetzen der sichtbaren organischen Form
beiten findet. Es ist ganz richtig, daß zwi- identisch sein müssen — zu entwickeln,
sehen dieser Art von Plastik und dem Kunst- W. Biezler

FRAU MIT SCHAF

Tonbrand, 50 cm hoch
Kurt Schwerdtfeger

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