Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 3.1928

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plizierte Regulierung die Verwendung der
Jacquardmaschine, welche nur hei solchen
Geweben lohnt, bei denen sie ohnehin zur
Erzielung reicher Kettwirkung verwendet
wird.

Dem gegenüber tritt das besondere Ver-
mögen der Handweberei gerade in der An-
wendung reicher und wechselvoller Schuß-
effekte zulage. Lediglich durch die Kon-
zentration auf den Entwurf und die ent-
sprechende Wahl unter den mit verschiede-
nem Material beschickten bereitliegenden
Schiffchen leistet der Handweber mit einem
Handgriff ohne Unterbrechung der Arbeit
einen Farbenwechsel, der nicht nur in der
Farbenzahl unbeschränkt und beliebig lang,
sondern auch völlig frei und gegebenenfalls
der Intuition des Augenblicks folgend sein
kann. Das erste stärkere Wiederhervortre-
ten der Handweberei in jüngster Zeit ge-
schah bezeichnenderweise mit den soge-
nannten Beiderwandstoffen, bei denen auf

einfarbiger Kette in einfacher Leinenbin-
dung reiche Schußstreifen in zahllosen
Variationen auftreten.

Die Freiheit in der Verwendung des
Schusses, welche der Maschine nicht zu-
gänglich ist, wird zum auszeichnenden
Merkmal der Handweberei. Die volle Ent-
faltung der damit gegebenen besonderen
Möglichkeilen ist anzustreben durch Wahl
geeigneter Bindungen und Anwendung be-
sonderer Handwebtechniken.

Unsere Gildenhaller Werkstatt jedenfalls
stellt ihre Arbeit bewußt auf dieses Ziel ein.
Der Aufforderung, meine Gedanken hier
auszusprechen und Abbildungen unserer
Erzeugnisse zur Verdeutlichung zu verwen-
den, leiste ich gern Folge. Die Erzeugnisse
anderer Werkstätten möchten dem mit
ihnen näher Vertrauten ein ebenso geeigne-
tes Anschauungsmaterial bieten.

Ein besonderer Beiz kann in der Wahl
einer Bindung liegen, welche dem Material

TEPPICH ..KÖNIGSBERG" Foto: Curt Rehbein, Berlin

2,50x5 m in Smyrna-Technik mit nordischer Wolle. Entwurf Marion Schmidt. Berlin-Wilmersdorf. Farben: Gesamtstimmung
grau-grün, figürliche Motive in zarten grau-blauen, gelblichen und rosa Schattierungen, braun und grün

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