NS-Frauen-Warte: die einzige parteiamtliche Frauenzeitschrift — 11.1942-1943

Page: 44c
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/frauenwarte1942/0057
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
^m Rakmen der kürzlich Ilaltgefunücnen Serliner Xunstwochen lam auch da;
deutsche Zilmschafsen durch einige bedeutende und hochwertige Zilmwerke zu
Ivorte. vie Ufa startete gleich drei Zilme: „Oie grohe Liebe", „hochzeit auf
Lärenbos" und „Zwischen bimmel unü ürüe". Oie Terra brachte den „Kem-
branüt"-Zilm.

„Nicht üar wirkliche Geschehen zu erzählen, ist de; Oichter; Uufgabe, sondern
wie es hättc geschehen ionnen und das nach Ivahrscheinlichkeit Ulögliche
oder das Notwendige", sagte Nristoteles schon Zahrhunderte vor unserer Zeit-
rechnung. Oiese Ivorte des grohen griechischen Philosophen gelten heute wie
ehedem, und sie leiteten auch hans öteinhosfs Zchaffen bei dem schwierigen
Ilnternehmen, das gewaltige Leben ües gröhten niederländischcn Nkalers Nem-
brandt im Zilm nachgestalten zu wollen. Um es gleich vorwegzunehmen i
hans Lteinhoff ist diese überaus oerantwortungsvolle, Takt und Zingerspitzen-
gesühl erfordcrnüe Nrbcit durchaus gelungen. Lr hat erreicht, dah Leben,
Sci'affen und Iverk diese; genialen Nünstler; der breiten Nlasse der Nino-
besucher und damit des volkes nahegebracht werden. Und er hat dieses kferan-
tragen, dieses Näherbringen eines grohen Lebens in die einzig mögliche Zorm
gefahti er oerband kunstgeschichtlickie Ivirklichkeit und wirksame Spannungs-
momente mit künstlerischem Oerantwortungsgefühl. Tr nahm sich manche Zrei-
heiten, aber er ging dadurch auch dcr Gesahr aus dem Ivege, einen sonst vielleicht
rrocken anmutenden kunslhistorischen Zilm ;u drehen. So sprüht der Zilm Leben,
wirkliches, unmittelbare; Leben und spricht damit jeden Zuschauer an, auch den,
dessen Znteressen sich bislang nie auf das Gebiet üer Ulalerei konzentrierten.

Uurt heul'er schrieb mit Steinhoff zusammen das vrehbuch. Zn ungemein
lebendiger, spannungsreicher Szenenfolge rollt ein Schicksal vor uns ab, das ge-
kennzeichnet isl von einem in vollen Zügen genossenen kurzen Glück und einer
langen inneren und äuszeren llot. Sie aber erst lieh den Geniu; Rembrandt
wachsen und reifen. klm wendepunkt zwischen Glück und Not steht die Schaf-
fung des grohcn Gemäldes „Oie klachtwache", deren wert von -er Nlitwelt
verkannt wurde, und der Tod der über alles geliebten ersten Zrau Saskia. Ourch
Lchmerz, verlusl unü verzicht geläutert und abgeklärt schafft Nembrandt in Zu-
rückgezogenhcit und Ginsamkeit unsterbliche werke. Ewald Lalser ist der
Nembrandt, er spielt ikn nicht nur, er hat sich mit der ursprünglichen tiraft
des grohen Menschengestalters in diese Nolle hineingelebt. Nuch bildmähig wirkt
er durch die iiostüme jener Zeit und durch die Maske wie die verlebendigung
Ncmbrandtscber Selbstbildnisse, besonders zum Schluh, da Überwindung aller
Wünsche und Weltabgewandtheit sein Nntlitz zeichnen. Oie Zrauen, die Nem-
brandts Lcbensweg beeinslussen, sindc Saslia, seine erste Zrau, dargestellt von
herta Zeiler voll bezaubernder Nnmut ;u Leginn und voll echter Tragik im
üusklang. hendrickje Stoffels, seine Magd und zweite Zrau, gestaltet von Gisela
UHIen voll Lebenswärme und Gmpfindsamkeit. Zn der Sterbeszene zeigt sie
ihr starkes dramatisches Talent. Und Geertje Oierks, seine hausbesc rgerin, von
Elisabcth Zlickenschildt übersprühend temperamentvoll und mit der ganzen ver-
schlagenen und listenreichen Voshaftigkeit einer verschmähten gezeicbnet. Nem-
brandts widersacher, der Nunslhändler Ujlenburg, der gewissenlos, ausbeutend
und geldraffend Nembrandts wirtschaftlichen Nuin mit herbeiführt, wird mit
gröhter Einüringlichkeit von Uribert wäscher gespielt. Theodor Loos gibt dem
Nausherrn und Nunstmäzen Zon Sir vornehme Züge. Oie drei Schüler Nem-
brandts werden von Nolf weih, Llemens hasse und helmut weiss treffend
dargestcllt. prächtig ist wieder paul henckels Gestaltung des Nadierers Seeghers.
Uuch die zahlreichen kleineren und kleinsten Nollen besetzte Steinhoff mit be-
währten tiünstlern. Zn erprobter Urbeitskameradschast stand Nichard Ungst
Steinhosf als tLameramann zur Seite. Zusammen mit dem Urchitekten walter
Nöhrig schuf er eine überaus wirkungsvolle Lildatmosphäre im Nembrandt-
schen Hell-Ounkel. Ulois ttkelichars tNusik reiht sich harmonisch und schön ein
unü rundet den glücklichen Gesamteindruck ab.

ver Zilm „vie grohe Liebc" zeigt ein sich am Nande der grohen Lreignisse
unserer Tage abspielende; Zrauenschicksal. Nichts Nuhergewöhnliches, hoch-
dramatischcs läht e; aus der Neihe millionenfach Lhnlicher Schicksaie heraus-
treten. Ls ijt gan; einfach, fast alltäglich,- nur der Zilmwirksamkeit halber ver-
wendeten der Spielleiter Nols hansen und sein Orehbuchmitautor peter Groll
das Nülieu der varietebühne und des vortragspodiums. Nüt viel Gesühl sür
dramatische Spannungsmomentc und die lebcndig-frische Mitersassung von
kleinen Nlltagsgeschehnissen erzählen sie die Geschichte einer grohen Liebe zwi-
schen zwei aus gan; verschiedenen Leben-sphären kommenden Nkenschen, einer
berühmten Sängerin und einem Zagdsüeger. Zarah Lcander gestaltet die
Zrauenrolle empfindungsstark und glaubwürdig. Sie kann hier endlich einmal
eine gan; gerade, offene und unverkrampfte Zrauennatur sein. Oen Zagdslieger
spielt viktor Staal sehr natürlich und frisch in seinem humor, vrausgängertum,
verantwortungsbewuhtsein und seiner pfjichttreue. Sehr fein und ooll rühren-
der herzlichkeit zeichnet paul hörbiger den Nkann, dem zwar die Zreundschast,
nicht aber die Liebe der Sängerin gehört. Zn den weiteren Nollen steht jeder
am rechten Platzi Grethe weiser al; schlagfertige Zofe, wolfgang preih als
Zagdfliegerkamerad, serner hans Schwarz jr., L. v. Ledebour, Zulia Serda,
viktor Zanion, Zlse Zürstenberg, walter Lieck u. a. Nkichael Zarg; klangschöne
Nkusik und Zran; Weihmagrs saubere Nameraarbeit vervollständigt den guten
Lindruck, d?n dieser gute Ünterhaltungsfilm aus unserer Zeit hinterläht.

Oer Zilm „hochzeit auf Bärenhof" entstand nach der Erzählung von Suder-
mannc „Zolanthes hochzeit". Sudermann zeichnet darin das Leben eines ost-
elbischen Lanüjunkers um die Zahrhundertwende, der nach einer berauschen-
den verliebtheit in ein viel ;u junges Mädchen wieder auf den Loden der Tat-
sachen zurückkehrt und schliehlich zugunsten scines jungen Zreundes aus die
Zrau verzichtet. Zochen Nuhlmeg und Gustav Lohse haben die Grundlinie
dcr Lrzählung wahrend da; Orehbuch geschrieben, aus dem dann prof. Larl
Zroelich einen lebensechten, milieugerechten Zilm schuf. Lr zeigte auch mit
dieser Znszenierung wieder seine grohartige Beherrschung aller filmischen Nus-
drucksmöglichkeiten. heinrich George gestaltet den kraftvollen, humorgesegneten
und verständnisvollen Landjunker und vermittelt damit wiederum eine dar-
stellerisch auherordentliche Leistung. Sein Gegenspieler ist paul wegener, eben-
falls einen Landjunker darslellend. Laut polternd, verschmitzt grinsend und
glcichzeitig kindlicb hilflos gibt er in echt ostpreuhischer Oialektik das Nbbild eines
haustgrannen. Zlse werner spiclt voll inniger, scheuer Zungmädchenhastigkeit
seine verängstigte Tochter, die zum gute» Lnde statt des alten Landjunkers

doch noch den gleich-
altrigen Mann be-
kommt, den Lrnst von
Nlipstein nett und
frisch darstellt. Oer
Nameramann Gün-
ther Nnder; fing das
oftpreuhische Land-
milieu in lebendigen,
wechseloollen Lildern
ein. Theo Mackebens
Musik ergänzte da;
ganze Geschehen wir-
kungsvoll.

ver §ilm „Zwi-
schen hiinmel und
Lrde" gibt die Ge-
schichte de; rechtschas-
fenen, ehrsamen und
gestrengenvachdecker-
meister; Nottwinkel
und seiner beiden
Söhne wieder. Nach
der Lrzählung von
Gtto Ludwig schrieb
der Lpielleiter I)r.
harald Lraun zu-
sammen mit Zacob
Gei; das dramatur-
gisch gut durchgearbeitete Orehbuch. tkuch hier wurden das Milieu einer Oach-
deckerwerkstatt und die Ntmosphäre einer niederrheinischen Nleinstadt mit ihren
schiesergedeckten Nirchtürmen und hausdächern sehr echt und treffend einge-
fangen. werner Nrauh zeigt mit der Gestaltung des Vachdeckermeisters nach
längerer pause im Zilm wieder einmal sein grohes schauspielerisches Nönnen
und seine treffsichere Lharakterisierungskunst. Seinen ältesten Sohn jpielt wolf-
gang Lukschg. Man glaubt ihm den inneren Nampf zwischen Gut und Böse,
in dem das Löse immer mehr die Gberhand gewinnt, bis schliehlich in der
Sühne das Gute siegt. Martin Urtel gibt in der Oarstellung des jüngsten
Sohnes eine ausgezeichnet durchgestaltete, gradlinige Leistung. Zart, liebend
und sorgend stellt Gisela UHIen das junge Mädchen zwischen den beiden 8rü-
dern dar. paul henckels gibt wieder eine seiner vortrefflichen Lharaktertgpen.
Lestens bewähren sich auch Gustav Waldau, Lüsabeth Zlickenschild" u. a. Mit
viel Gefühl für Bildwirksamkeit führte Nobert Babersie seine Namera. — viese
beiden letztgenannten Zilme sind, trotzdem sie um die Zahrhundertwende bzw.
während des Nrieges 1870 7k spielen, so wirklichkeitsnah in ihrer Menschen-
und Lharakterschilderung, dah sie heufig wirken und daher mit unserem Zeit-
gesühl durchaus in Linklang stehen. Zngrid Binnc

Die V)underwe1t der Sterne zortsehung °°n se»e zs

Nommt ein Nomet der Sonne sehr nahe, so kann der an sich schon lockere
Zusammenhang der Steintrümmer im Nern so weit gestört werden, dah sich
die einzelnen Teile zerstreuen und einen elliptischen Ning um die Sonne bilden,
den die Lrde bei ihrem jährlichen Lauf passiert. Oann werden die dunklen
Steine durch üen widerstand der Luft in der Lrdatmosphäre erhitzt,- sie leuchten
auf und verdampfen. Oas sind die Sternschnuppen. Gröhere Lteinblöcke fön-
nen, wenn ihre Masse sehr beträchtlich ist, auch auf die Lrde sallen, wo sie in
oiele kleine Stücke zerplatzen, die wir Meteore nennen.

Oer Sternenhimmel in seiner wundersamen pracht hat auf die Menschen
immer einen tiefen Lindruck gemacht. Zu allen Zeiten haben sie in groher Ehr-
furcht zu diesem gewaltigsten werk des Schöpfers aufgeschaut und sich mit der
Zrage nach der Natur der Sterne beschäftigt. Nber erst in der jllngsten Zeit
haben sie die Nntwort gefunden, nämlich seit der Ersindung des Zernrohrs,
der Photographie und der Spektralanalgse. vorher röuht« man darüber nichts.

Schon srühzeitig beobachteten di« Menschen die Lewegungen von Sonne,
Mond und den grohcn planeten. Oen nordischen völkern dienten sie zur Grien-
tierung bei ihren Zahrten über das Meer, während die orientalischen völker,
die Sonne und Mond al; höchste Gottheiten verehrten, in den Sternen Schicksal
verkündende Mächte sahen und den versuch machten, aus ihnen den Willen
der Götter mittels einer bestimmten Technif zu ergründen. Oarauf beruht die
Nstrologie. Sie ist also ihrem Ursprung nach gleichbedeutend mit cinem reli-
giösen Glauben, der in den Sternen nebst Sonne und Mond die sichtbaren
Göfter sieht. vie Planeten wurden bestimmten Göttern zugeteilt, wobei die
Nnregung Zu den einzelnen Namen durch dic besondere Karbe, die Lichtstärke
und die Schnelligkeit der damit bcnannten himmelskörper sich noch recht wohl
erkennen läht. Oamit war die freundliche oder schreckliche oder auch wechselnde
wirkung dieser planeten gesetzt. Oie Babglonier hatten diesen Glauben zuerst,
und sie entwickelten auch die ersten Methoden der Sterndeutung. von ihnen
übernahmen sie die Perser, Nggpter, Griechen nnd Nömer. Oie griechisch-rö-
mische Nultur überlieferte dann die Nstrologie an die völker des Mittelaliers.
Oer Zslam mit seinem Zatalismus kam ihr von vornherein stark entgegen,
während die christliche Nirche ihr zuerst den schärfsten widerstand leistete. Lrsi
in der Zeit der Nenäissance fand die Nstrologie auch im Nbendlande Lingang
und entwick°Ite sich nun zu einer förmlichen Weltanschauung. Nus den einfachen
Methoden der Babglonier war allmählich ein komplizi«rtcs Sgstem geworden,
nach dem die Nstrologen Schicksal und Lharakter der Menschen berechneten.

Mit der Lrfindung des Zernrohr; verblahte der Nuhm der Nstrologie. Man
machte ungeahnte Lntdeckungen, die in ihr Sgstem nicht mehr hineinpahten
und an ihren Grundlagen rültelten. Zn den immer gröheren Zernrohren, die
man bauen lernte, dehnte sich die kleine Welt des Mittelalters bi; zur Unend-
lichkeit. Oie Lrde war nichi mehr der Mittelpunkt, aus den sich das ganze Ge-
schehen der Welt bezieht, sondern ein winziger Nörper im Nli, und selbst die
mächtige Sonne war nur einer unter Milliarden oon ähnlichen Sternen. Oamit
war das Schicksal der Nstrologic besiegelt, und es begann cher Stegeszrij ^tr
modernen Nstronomie als einer exakten Naturwissenschqjt. ^

5r6ne mit kwalcl öeleec (^embcaciclt) imcl l-iecta feilsc (Lsskis)
loading ...