Gerhard, Eduard
Etruskische und Kampanische Vasenbilder des Königlichen Museums zu Berlin — Berlin, 1843

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Tafel A. Panicthenäisclie Preisgefässe. (Vgl. oben S. 1 — 7.) Auf dieser und der nächstfolgenden Tafel
sind diejenigen panathenäischen Preisgefässe zusammengestellt, welche dem Herausgeber seit früheren Untersuchungen
über diese merkwürdige Gattung von Kunstdenkmälern (') sichtlich und zugänglich wurden; und zwar sind auf der
gegenwärtigen Tafel die dahin einschlagenden Inschriftvasen zugleich mit dem Zubehör sonstiger Preisgefässe, auf der
folgenden aber die ungleich zahlreicheren Preisvasen abgebildet, denen die übliche Inschrift fehlt.

Wir betrachten demnach zuerst die auf Tafel A no. 1 —12 zusammengestellten sechs Inschriftvasen, welche der
früher bekannt gemachten Reihe ganz ähnlicher Gcfässe (°) sich ergänzend verknüpfen. Alle diese Vasen stammen aus
volcentischen Gräbern; nur in no. 11. 12 wird man ein früher von mir bekannt gemachtes nolanisches wiedererkennen.
Dieses letztere ist mit no. 3. 4 im königlichen Museum zu Berlin (3) zu belehrender Vergleichung zweier einander sehr
ähnlicher Vasen zusammengestellt, in denen die Verschiedenheit kampanischen und etruskischen Ursprungs nur bei
strengster Prüfung die grössere Eleganz des nolanischen bemerklich macht. Ein drittes dieser Gefässe no. S. 6 ist
dem brittischen Museum gehörig; die drei übrigen (no. 1. 2. 7—10) waren aus den Sammlungen Lucian Bonaparte's
neuerdings an den Kunsthändler Basseggio zu Rom übergegangen.

Fast allen diesen Vasen gemein ist auf den Vorderseiten (1. 3. 7. 9. 11) die übliche Inschrift der panathenäischen
Vasen; nur auf dem Gefässe des brittischen Museums (no. 5) ist jene längs einer Säule geführte Inschrift mit einer
andern vertauscht, die als Umschrift des von der Göttin gehaltenen Schildes das athletische Lob eines schönen Euphi-
letos, KAl-0£ EV^^ETO? (*), rühmt. In den Säulen und deren aufgesetztem Kampfsymbol, den Hähnen, stimmen
alle diese Gefässe durchaus überein, und ebenso ist das Götterbild der vorkämpfenden Pallas, welches innerhalb cüeser
Säulenbegrenzung befindlich ist, nur in unerheblichen Umständen seiner Bekleidung verschieden. Dagegen geben die
Schildzeichen, hier wie in ähnlichen Fällen, manchem sinnigen Künsllerspiel Raum. Des bereits erwähnten seltsamen
Schilds zu geschweigen, wo eine persönliche Inschrift rings um eine Randverzierung sich dreht (no. 5), sind jene Schild-
zeichen durchgängig bedeutsam. Die Schlange (no. 7), das Flügelross (no. 1), hauptsächlich aber das Haupt der Gorgo
(no. 3, zweifelhaft auf no. 11) sind als Symbole der panathenäischen Göttin bekannt, und der tanzende Silen noch
eines anderen Schildes (no. 9) ist, wenn auch ungewöhnlich, doch leicht verständlich, sofern man der Göttin Verhältniss
zum bacchischen Dienst und die Sage vom Flötenspiel in Erwägung zieht, das ein Silen von ihr lernte.

Anf den Rückseiten dieser Gefässe findet man, den früher bekannten Preisvasen ganz ähnlieh, die verschiedenen
Kampfgattungen panathenäischcr Spiele dargestellt. Wettrenner zu Wagen (no. 2), zu Ross (no. i) und zu Fuss (no. 12)
wechseln mit Ringern (no. 10), Faustkämpfern (no. 8) und mit dem durch Springer und Lanzenwerfer bezeichneten
Pentathlon (no. 6).

In den übrigen Vasen dieser Tafel (no. 13 —19) ist eine Zusammenstellung sonstiger Preisgefässe versucht, auf
denen noch andre Gottheiten als Pallas Athene erscheinen. Als apollinische Preisgefässe bekunden sich no. 13 — 13.
Auf einer bacchischen Amphora (no. 13. 14) Lucian Bonaparte's, welche einerseits einen bärtigen Kitharöden zwischen
hochaufgestellten Sphinxen zeigt, sind andererseits als Gottheiten des musischen Wettkampfs Apollo und Artemis abge-
bildet ("). Eine ganz ähnliche, obwohl schlankere, Amphora (no. 15) zeigt zwischen den üblichen Hahnsäulen einen
kiharspielenden Apollo; auf benachbarten Zweigen, deren einer die übliche Andeutung bacchischen Laubes enthält, ist
Apollo's heiliger Vogel, der Rabe, jederseits angebracht (°). Zwei andere Amphoren gleicher Form bezeugen die Ver-
knüpfung bacchischen Dienstes mit Wettkämpfen ähnlicher Art. Auf einem dieser Gefässe (no. 10), dem königlichen

(') Amiali doli' Institute) Vol. II. pag. 209 ff. («J Dieselbe Inschrift (irrig gelesen EVOIUETO?) findet sich auch

(') Annali a.a.O. . auf einer Hydria des Dreifussraubs: De Witte Cab. Durand no. 314.
(') Zu -vergleichen meine Beschreibung beider Gefässe: Berlins (■) Nach Mioali Sloria LXXSIV, 1. 2.

Bildwerke. Vasen no. 044. Neuerworbene Denkmäler I. no. 1584. (•] Aus der Candclorisehen Sammlung. Unedirt.
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