Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 15.1892

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CARL GREGER — LONDON

Aus dem Grand-Jitnction-Canal. (Aus dem Albton „ Amateur-Kunft".)

Amateur-Kunst.

|ER ANSPRUCH DER PHOTOGRAPHIE auf einen Sitz unter den Muten ist ebenso ost
ausgesprochen als bekämpft worden. Vor dreissig Jahren schon glaubte sie die altbewährten
=*S) Rcproduötionskünste wie den Holzschnitt und Kupferstich überflüsfig gemacht zu haben,
und seitdem hat fie sich zu solcher Vollkommenheit entwickelt, dass sie gar mit der Malerei als eine
selbständig schöpferische Kunst in die Schranken getreten ist. Es genügt ihr nicht mehr, klarer und
sehärfer zu sehen als das mensehliche Auge, nicht, die momentanen Bewegungen eines lausenden
Pferdes, den Flügelschlag eilender Vögel, die Kugel im Fluge zugleich mit den Lustwellen, die sie
erregt, mit erstaunlicher Deutlichkeit abzubilden und neue Wunder der Stcrnenwelt auszudecken —
sie will Bilder schaffen wie der Maler und in ihren Aufnahmen das Walten künstlerischcr Empsindung
darthun, so mittheilsam und herzbewegend wie jener. Freilich, so lange die Photographie aus die
Bestimmtheit und Schärfe der Aufnahme Bedacht nahm und das Nahe und Ferne, Vordergrund und
Hintergrund, Hauptmotiv und Nebensache mit gleicher Präcision sixirte, so lange blieben ihre eine
Bildwirkung beabsichtigenden Ergebnisse fernab von dem Ziele einer künstlerischen Wirkung, wie
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