Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2108,245,35
Warburg, Aby Moritz ; Boll, Franz [Recp.]
Brief von Aby Moritz Warburg an Franz Boll — Hamburg, 13.11.1913

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PROF. D?A. WARBURG

HAMBURG 20, 13. November <9i 3.
114 HE1LW1GSTRASSE
TELEPHON V[, 3340.

Lieber und verehrter Freund!
Ich hätte Ihnen schon längst für Ihren freundlichen Brief vom
31. Oktober gedankt, wenn ich nicht vorher das Eintreffen Ihrer mir
so liebenswürdig in Aussicht gestellten Separate hätte äbwarten
wollen. Es ist aber noch nichts derartiges erschienen, und ich mel-
des es doch lieber jetzt, da ich befürchten muss, dass unsere lei-
der schon lange nicht mehr zuverlässige Reichspost die mir so sehr
willkommenen Drucksachen verbummelt hat.
Ich freue mich, dass Sie so schön in der Arbeit stecken. Ich
kann leider von mir erst seit drei Wochen sagen, dass ich wieder an-
fange. Die allzugrasse Anstrengung für die Ferienkurse während der
Heuzeit hatte mich doch so angegriffen, dass mich mein Hausarzt auf
drei Wochen An ein^ Reparatorium geschickt hat/ Heinsheimer in
Baden - Baden hat mich denn auch sehr gut geflickt und überlakiert,
doch fürchte ich, dass der Gesundheitslack sich als nicht sehr dau-
erhaft erweisen wird, wenn es hier so weiter geht.Natürlich meine
ich damit die schleichende Universitätskrisis. Wir werden gewiss
vorwärts kommen aber in welchem Tempo und im Kapfe mit welchen Geg-
nern! Eg ist gerade wie in Strassburg, wo ich auch half, gegen den
skrupellosen Drahtzieher Wach Stellung zu nehmen. Die besitzende
akademische Klasse , hier die Universitäts - Ehrengreise und da die
Juristen und Oberlehrer, stemmen sich eben mit der ganzen Verstockt-
heit des in seinen Rentiergefühlen gestörten Philisters gegen das
Neue. Es sol^ ihnen nichts helfen, aber wir, die wir die Brücken
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