Helbig, Wolfgang
Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom (Band 1): Die vatikanische Skulpturensammlung. Die kapitolinischen und das lateranische Museum — Leipzig, 1891

Seite: 37
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BRACCIO NÜOVO.

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zu verstellen ist, dass Polyklet die Weise herausfand,
der menschlichen Figur bei möglichst geringem Kraft-
aufwand einen festen Stand zu geben. Auch diese Eigen-
thümlichkeit finden wir in der vatikanischen Statue wie-
der. Wenn ferner Quintilian (inst. V 12, 21) von dem
Doryphoros sagt, er scheine sowohl für den Kriegsdienst
wie für die "Übungen in der Palästra tauglich, so passt
auch dies vollständig auf unsere Statue. Dass endlich
diese Statue auf ein Bronzeoriginal zurückgeht, bedarf
keiner ausführlicheren Darlegung (vgl. n. 32). Da Poly-
klet im Doryphoros ein Muster für die Weise aufstellte,
in der nach seiner Ansicht die Proportionen des mensch-
lichen Körpers zu behandeln waren, so wurde seine Figur
von den Alten als der Kanon des Polyklet bezeichnet.
Wie die meisten von diesem Künstler geschaffenen Typen
zeigt auch der Doryphoros eine grosse formale Vollendung,
aber dabei nur einen unbedeutenden geistigen Inhalt.

Pistolesi IV 30, 2. Clarac V pl. 862 n. 2195. Vgl. Ann. del-
l'Inst. 1878 p. 5—10. Overbeck Gesch. d. griechischen Plastik I3
p. 389—390, p. 478—479 Anm. 129—133. Friederichs-Wolters
Bausteine n. 503—507. Abhandl. des arch.-epigr. Seminars in
Wien VIII (1890) p. 42.

59 (127) Kopf eines Parthers, vermuthlich aus traiani-

scher Zeit.

Gefunden auf dem Forum des Traian. Ergänzt Stücke
an Mütze und Bart, beide Ohren, die Büste.

Pistolesi IV 29.

60 (129) Geharnischte Statue mit dem Kopfe des Do-

mitian .

Vormals im Palazzo Giustiniani. Ergänzt die Nase,
das Kinn, beide Arme (nebst der Weltkugel), die Beine,
der Stamm, die Plinthe.

Der Kopf des Domitian ist in die Halsöffnung ein-
gelassen, scheint aber zugehörig, da er sowohl hinsicht-
lich des Marmors wie der Ausführung mit dem Körper
übereinstimmt.

Galleria Giustiniani I 98. De Kossi raecolta di statue T. 89.
Nibby Museo Chiaramonti II 36. Clarac V pl. 974 n. 2502. Vgl.
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