Katalog einer hervorragenden süddeutschen Sammlung von seltenen Kupferstichen, Radierungen und Holzschnitten des XV. - XVIII. Jahrhunderts in auserlesenen Abdrücken sowie einigen Handzeichnungen alter Meister: Auktion in München in der Galerie Helbing, Montag, den 22. und Dienstag, den 23. April 1907 — München: Helbing, 1907

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VORWORT.

Die Blätter der im Folgenden beschriebenen Sammlung sind zwar, wie
jede flüchtige Durchsicht des Kataloges bald überzeugend dartun wird,
fast ausnahmslos von grosser Schönheit, zum grossen Teil von erstklassiger
Qualität und daher schon aus diesem Grunde von entsprechender Seltenheit;
trotzdem möchte ich nicht unterlassen, an dieser Stelle ein kurzes Resume
über die hervorragendsten hier beschriebenen Blätter zu geben.
Die beiden Gipfelpunkte germanischer, deutscher Kunst, Dürer und
Rembrandt, zeigt uns die Sammlung in einer Reihe von Blättern in der
ganzen unvergleichlichen Schönheit ihres unerreichbaren Könnens. Nur
Drucke vorzüglicher Qualität, wie solche die hier beschriebene Sammlung
enthält, zeigen bei Rembrandt die ganze Kraft, die volle Majestät seines
künstlerischen Schaffens und übermitteln bei Dürer die unvergleichliche,
mächtige Wirkung seiner unübertrefflichen Zeichenkunst und seiner echt
deutschen Innigkeit.
Wenn der vorliegende Katalog mithin schon durch die sehr hervor-
ragend schönen Suiten Dürerscher und Rembrandtscher Herrlichkeiten
Anspruch auf Beachtung aller Sammler alter Graphica machen könnte, so
darf er ihr um so mehr sicher sein, als er noch zahlreiche sonstige erst-
klassige Arbeiten aufweist, was durch nachstehende kurze Übersicht be-
legt werden dürfte.
Martin Schongauer, der erste in der Reihe der grossen Meister
des Kupferstiches, ist durch sechs Blätter vertreten, dabei das reiche
Ornament mit der Eule und die drei Halbfiguren, diese wie die übrigen
Piecen des Meisters in ausgezeichnet schönen frühen Abdrücken. Aus der
Gruppe der Schongauer gleichzeitigen, aus den Kunstrichtungen der Nieder-
lande und des Niederrheins hervorgehenden oder doch von ihnen stark be-
einflussten Stecher seien hier nur genannt der Meister mit dem Weber-
schiffchen mit zwei höchst raren Hauptblättern („Kreuzigung Christi“
und „Mutter Anna selbdritt“), Israel van Meckenen mit fünf Blättern
in selten schönen Abdrücken, dabei das berühmte Liebespaar, der Maler
Nicolaus Alexander Mair von Landshut mit dem eminent seltenen
Blatt „Samson mit den Torflügeln“, Mathäus Zasinger mit drei Blättern,
wovon zwei Hauptblätter in Abdrücken von brillanter Qualität, Albert
Glockenton mit der ungemein raren „Grossen Kreuzigung“ und Wen-
zel von Olmütz mit vier der seltensten Nummern seines Werkes, alle
vier in prächtigen Drucken.
Von den Meistern des italienischen Kupferstichs bis zur Mitte des
16. Jahrhunderts finden wir von dem Goldschmied Cristoforo Robetta
eines der besten und seltensten seiner Blätter, die „Madonna und die
Engel“, ferner von dem Mantegnaschüler Zoan Andrea die drei
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