Hugo Helbing [Contr.]; Messinger, Otto Eugen [Oth.]
Katalog der Sammlung Messinger: Gemälde alter Meister — München: Helbing, 1918

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als deren Autor Zais oder Diziani in Betracht kommt, und das kleine flotte Abendmahlsbild von
Sebastiano Ricci. Die »schlafende Venus mit Cupido« und die »Susanna im Bade« sind erstaun-
lich frische Spätwerke Pompeo Batonis, die den Künstler als einen Haupt Vertreter des frühen
Klassizismus in Italien erkennen lassen. Vom Ausgang des 18. Jahrhunderts stammt dann das
vortreffliche, ebenso lebendig aufgefaßte wie gut gemalte Bildnis eines Geistlichen, das früher
Goya zugewiesen war und an und für sich diesem Namen keine Unehre machen würde, jedoch
von einem mir unbekannten italienischen Meister stammt. Die Bildnisse, die die Sammlung
Messinger von der Hand Gasparo Landis besitzt, gehören alle schon dem frühen 19. Jahrhundert
an und sind durchgängig ausgezeichnete Proben von der gediegenen Kunst dieses bei uns noch zu
wenig gewürdigten italienischen Porträtisten. Neben dem Selbstporträt fesselt vor allem das
Bildnis Canovas, das zu den schönsten Porträts zu zählen ist, die uns von dem berühmten Bild-
hauer erhalten sind. Den Beschluß der italienischen Gemälde bildet ein meisterlich gemaltes
Genrestück von Favretto.
Unter den französischen Bildern erweckt zunächst das sehr sorgfältig gemalte Bildnis einer
Prinzessin von Santerre unser Interesse, sowie einige reizvolle Arbeiten von CI. J.Vernet und zwei
Boucher sehr nahestehende Arbeiten. Wohl den Glanzpunkt der ganzen Sammlung bilden die beiden
Gemälde von Hubert Robert, die beide, das Aquarell sowohl wie das größere voll bezeichnete
1772 datierte Gemälde, von ungewöhnlicher Schönheit sind. Unter den späteren Arbeiten der
französischen Schule ist zunächst das packende, wohl um 1785 in Rom entstandene Selbstbildnis
des Genfers Saint-Ours zu nennen, danach die italienischen Landschaften von der Hand
Boguets, der etwas von der Art des Deutschrömers Reinhard besitzt, sowie das 1827 von Bo-
dinier gemalte Porträt dieses Landschaftiers. Aus dem vollen 19. Jahrhundert stammen dann
noch einige Studien von Decamps, Meissonier, Troyon und Regnault. Die temperament-
volle Skizze zu einer Darstellung Kaiser Karls V. bei Tizian besitzt außerordentlich viel von der
Art Delacroix’.
Die nordischen Schulen sind naturgemäß nicht mit zahlreichen Werken vertreten. Neben
einer höchst eigentümlich komponierten Kreuzabnahme, die ein unbekannter Niederländer gegen
die Mitte des 16. Jahrhunderts auf italienischem Boden geschaffen hat, interessiert vor allem ein
prachtvolles Blumenstück von Abraham Brueghel, dem sog. Neapolitaner-Brueghel. Die vier
großen, höchst dekorativen Tierstücke galten früher sämtlich als Arbeiten von Snyders, sind
jedoch ausgezeichnete charakteristische Werke von der Hand des Paul de Vos. Das Fisch-
stilleben wie das Gemälde mit den Wasservögeln sind ganz besonderer Beachtung wert. Zu
diesen Werken gesellen sich dann noch einige englische Bildnisse, unter denen das Gemälde,
das angeblich eine Fürstin Piccolomini darstellt, eine Arbeit aus dem Kreis von Lawrence, das
Interesse am meisten fesselt, sowie einige Zeichnungen und Miniatur-Porträts, unter denen der
Christuskopf von Felice Cignani und das Miniaturporträi einer jungen Frau von Schiavoni
besonders hervorgehoben sei.
Ganz besondere Aufmerksamkeit verdienen neben den Bildern die vielen ausgezeichneten
alten Barockrahmen. Herr Messinger hat auf die gute Rahmung seiner Bilder besondere Sorgfalt
verwendet und so findet man hier eine ganze Reihe ungewöhnlich schöner, alter, holzgeschnitzter
Barock- und Empirerahmen.
Außer den Gemälden enthält die Sammlung auch einige plastische Arbeiten, unter denen
neben einem Madonnen-Relief von Rosselino vor allem ein Tonmodell Alessandro Algardis
zu seiner berühmten Bronzestatue des Papstes Innozenz X. als eine höchst lebendige Probe
von der großen Kunst dieses Barock-Bildhauers die Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

August L. Mayer
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