Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKO RATION

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ENTWURF VON PROFESSOR BRUNO PAUL »FURNIER-SCHRANK« DEUTSCHE WERKSTATTEN A. O.

gegen in einigen Stunden. Das Plattenhaus hat als Neue- DTF IM F II F Wa pt

rung seitlich schiebbare Patent - Schiebefenster- und um WLUt WIK131HAN

Fensterläden. Die Baukosten sind etwa 20 Prozent ge- T~^\er Mensch wird schließlich, — und das ist kardi-

ringer als bei einem gleichgroßen Ziegelhaus. JL/ nal, — ein innerliches Verhältnis zu jeder Arbeit

Bei den »Furnier-Möbeln« (siehe Schrank S 407) finden, von deren Sinnhaftigkeit er überzeugt ist.

bandelt es sich um eine neue patentierte Technik. Die Unerträglich und verderblich für den Menschen ist auf

Möbel sind nur 5—6 mm stark und enthalten im Ver- die Dauer nur eine mit Sicherheit erfühlte Sinnlosigkeit

gleich zu anderen gleichgroßen Massivmöbeln nur ein des täglichen Tuns und Treibens. Das Mißvergnügen

viertel bis ein drittel des Materials. Sie werden aus fünf rührt von der Erkenntnis her, seine Lebenskräfte an

kreuzweise verleimten Dickten hergestellt. Die Kurven, eine Arbeit »ohne Wert« verschwenden zu müssen. . .

die eine ornamentale Wirkung ergeben, sind aus techni- Die Bedürfnisse der Menschheit sind nach geogra-

schen Gründen notwendig, zur Stabilisierung der schwa- phischer Lage, ethnographischer Dichte und kultureller

chen Platten. Diese neue Technik dürfte auf dem Gebiet Stufe gegeben, und ihnen zu dienen, heißt einer gottge-

der Möbelherstellung von großer Tragweite sein. . . s. wollten Gesetzlichkeit unterwürfig sein. Die Abkehr

* von dieser Auffassung und der dadurch bewirkte Zustand

TECHNIK UND FORM. Wenn es zunächst scheint, fortgesetzter gesellschaftlicher Erd- und Länderbeben
als ob heute alles Wissen und alle Fertigkeit nach wird erst dann abgeschlossen sein, wenn sich die Wirt-
nur einerRichtungginge.nämlichalleinzurVerbilligung, schaft auf Umwegen wieder zu dem irrtümlich preisge-
zur Vereinfachung und Bequemlichkeit unseres Lebens gebenen Grundsatz der Bedarfs-Deckung zurückge-
beizutragen, so würde dieses zu einem einseitigen Mate- tastet hat. Es ist der einzige, der sie im kollektiven, ja
rialismus, zu einer mechanischen Zivilisation führen. . . im universen Zusammenhang »sinnvoll« erscheinen läßt.
Darum muß es sich noch zeigen, ob die Industrie unseres Es wird für alle, die an der Wirtschaft überhaupt be-
Jahrhunderts das Bewußtsein einer höheren universellen teiligt sind, eines Tages sich von selbst verstehen, daß
Macht in sich fühlt, die ihrer Zeit ein wesenhaftes Ge- Wirtschaft den Bedarf der bewohnten Erde an Rohstoffen
präge aufzudrücken vermag, indem sie für ihre Ergeb- zu decken habe, nebst allen Fertigwaren, die der Gesamt-
nisse auch die reif gestaltete Form findet, peter Behrens, menschheit lebenswichtig sind. Diese künftige Wirt-
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