Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 30.1911-1912

Page: 227
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Neue Beiträge zur Dürer-Forschung.

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auf die Sonne deutet, wie zwischen beiden der Kaiser steht, wie vor dem ersten Engel zwei weihliche
Rückenfiguren zusammengedrängt einherwandeln, vor dem zweiten ein Mann nach links stürzt, das
alles fand mit mehr oder weniger notwendigen, dem Holzmateriale entsprechenden Veränderungen seine
Verwendung im Relief. Ebenso lassen sich in dem Zuge der Verdammten wesentliche Übereinstim-
mungen erkennen. Aber trotzdem wird man für den Bildhauer noch eine besondere Detailzeichnung
von Dürers Hand voraussetzen müssen, die der wirksamen Vereinfachung und übersichtlichen Gruppierung
entgegenkam.

Dürer verwendet dieses Kleinfigurenmotiv in ähnlicher Weise noch einmal in dem Holzschnitt des
jüngsten Gerichtes (kleine Passion, B. 52: Fig. 38). Weil hier die architektonische Gliederung wegfällt,
so werden alle die bereits bekannten Einzelelemente zu einer einheitlichen Komposition vereinigt.
Nur im Hintergrunde fügt er die zu einem Weltgerichte notwendige Auferstehung der Toten hinzu.
Auch das Sonnensymbol kehrt wieder. Diese Wiederholung darf nicht besonders auffallen, da die
Entstehung dieses Holzschnittes in dieselbe Zeit fällt wie der Allerheiligenaltar, in das Jahr 1510.
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