Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 34.1918

Page: 26
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1918/0034
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
\

26 E. Tietze-Conrat.

Ein Kunstwerk soll hier gedeutet werden, in dessen persönlicher Mythologie verschiedene
Vorstellungskomplexe zusammenlaufen; klassische Bildung und Aberglauben vereinigen sich in ihm
zu einer höfischen Geste.

Als Großherzog Cosimo I. von Florenz bei Kaiser Maximilian II. für seinen Sohn Francesco
um die Hand der älteren Erzherzogin Barbara anhielt, schickte er auf Anraten des Bischofs von
Edelburg, um den Kaiser für die Heirat günstig zu stimmen, mehrere Kunstwerke von Giovanni
Bologna als Präsent; Borghini zählt sie im «Riposo» (III, 160) auf: «un Mercurio di bronzo . . .
una istoria di bronzo e una figurina pur di metallo . . .» Der Kaiser gab dem Prinzen die jüngere
Erzherzogin Johanna zur Frau (Barbara wurde an den Herzog von Ferrara verheiratet) und die

Fig. I. Giovanni Bologna, Allegorisches Relief.
Wien, Kunsthistorisches Hofmuseum.

Hochzeit wurde in Florenz mit großem Pomp (1565) gefeiert. Vasaris «Descrizione delFApparato»
(Sansone VIII, 517 fr.) ist ein wichtiges kulturgeschichtliches Dokument und eine reiche kunst-
historische Quelle. In den kunstindustriellen Sammlungen des Hofmuseums sind zwei im wesent-
lichen übereinstimmende Reliefs, das eine in Silber (Fig. 1), das andere in Bronze, mit Silberfarbe
überstrichen. J. v. Schlosser veröffentlicht in seinem Album (ausgewählter Gegenstände der kunst-
industriellen Sammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses, Wien 1901, T. XXVII, Text S. 18) das
Bronzerelief als Arbeit Giovanni Bolognas und bringt es mit einer von Venturi publizierten Ur-
kunde und der Stelle bei Borghini in Zusammenhang: «Ich glaube, in diesem schönen, noch un-
edierten Stücke das Relief wiederzuerkennen, das Rudolf II. 1604 durch Vermittlung seines getreuen
Hans von Aachen von Herzog Cesare von Modena zum Geschenke erhielt. Aus den Depeschen
des estensischen Gesandten Manzuolo in Prag, die uns einen sehr hübschen intimen Einblick
in die Kunstliebhaberei des Kaisers gewähren, erfahren wir, daß Rudolf, der bereits eine von
einem Schüler des Bologna angefertigte Kopie dieses Reliefs besaß, ungemeine Freude über die
loading ...