Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 1 (Nr. 1-26)

Page: 63
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend1900_1/0067
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
1900

JUGEND

Fritz Hegenbart (München)


Zcl) bin die Zflnnnne

Ick bin die flamme,

'jfch bin das Eicht —

Doch ich entstamme
Der Erde nicht:

Ich hab die Sonne
Zum Quell und Bronne,
Die ewig schafft,

Und Gluthen wohnen
Von Iahrmillionen
In meiner Kraft!

In Cicfen und flöhen
Eass’ ich erstehen
Das Gute allein;

Ufas blüht hier oben,
Blüht nur, umwoben
Von meinem Schein!

In diesem Uleben
Ruht alles Ulerden
Dahier auf Erden —

'jlch bin das Eeben!

Ich bin die flamme,

Die heilt und weiht!

Ich bin die Hmme
Der Ewigkeit!

In Ulutb verheer’ ich,

In Gluth verklär’ ich,
Ufas irdisch war;
nichts lass’ ich modern
In meinem Eodern
Ulird’s rein und klar.
Ob Schmutz und flecken
Dein Kleid bedecken
Und Dein Gemüth,

Ich tilg’ es eilig —

Und so ist heilig,

Ulas brennt und glüht!
Ich kann erheben
Die Erdensöhne
Zu Götterschöne —

Ich bin das Eeben!

Def mich mit blendendem Licht umfing:
Der große Dichter Hermann Lingg.

So ward ich, noch da ich die Schulbank

gedrückt,

Liner der ersten, die Du entzückt.

Und wie damals dem Jüngling geschah,
So stehst Du noch heut' vor dem Alten da.
Was damals nur wenigen Eingeweihten
Handschriftlich mühsam klar geworden,
Heut' strahlt Dein Ruhm durch Süden

und Norden

Und wird bestehen durch alle Zeiten.

Du aber gehst, das Haar noch dicht,

Im milden Wintersonnenlicht
In Deinem Gärtchen hin und her,

Trägst Deine 80 Jahr nicht schwer
Und läßest im hohen Greisenalter
Noch lieblich klingen den goldenen Psalter.

Die Saiten tonen, die Strahlen scheinen,
Daß selbst gefrorene Zweige Thränen weinen.
Doch, wie Dein Singen auch herrlich sei,
Manchmal übertönt's der Spatzen Geschrei,
Auch geh'n aus der Straße draußen vorbei
vielleicht ein paar alte gelehrte Knaben,
Die Dich noch heut nicht entdecket haben.
Mich dünkt, das ficht Dein Her-z nicht an;
Des wahren Dichters Majestät
Ist ja kein Leierkastenmann,

Der jedem Pöbel die Walze dreht.

Doch was Deine Kunst den Besten war
Und heut noch ist und für immer bleibt,
Das weist stch wohl, wenn im Januar
Man heuer den zweiundzwanzigsten schreibt.
Dann werden an Deinen Gartenthüren
Die Angeln stch unablässig rühren
Und Deine Freunde jung und alt
Kommen zu Deinen Füßen gewallt.

Sie bringen Dir Blumen und Lorbeerreiser,
vielleicht einen Gruß vom deutschen Kaiser,
Und, find sie geschmackvoll und find sie weise,
So bringen ste auch die Milch der Greise,
Linen Zirnwein, wie man zu solchem Fest
Berühmte Männer trinken läßt.

Dann klingt's, dank Rhein und Mosel

und Saar:

Heil Hermann Lingg und nochmals

achtzig Jahr!


I)ans Hopfen

Jcb bin die flamme ...
Linger Longer Loo: Ich bin die Flamme
Fritz Hegenbarth: Ich bin die Flamme
loading ...