Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 1 (Nr. 1-26)

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Nr. 22

. JUGEND

1900

£in £iedercyclus an £mma, zum

JVfdancholic

Oh! Verzicht geleistet hätt’ ich
)\uf dies -Leben gern und ganz —
poch des Schicksals schwarzen pettid]
jVfuss ich kostet] bis zurr\ Schwanz!

j\uf der ^unge meiner Seele
prennt mich, heissend mein Geschick,

Önd dies ewige Gequäle
Tjab’ ich gründlich satt und dick!

Selbstmord gönnte ja allstündlich
Meinen] Kummer saget]: „Schweig!"
ytber erstens war' es sündlid],

Önd zun] ^weiten war’ es /eig!

jViuthig will ich dem] ertraget]

Meinetweget] diese jVoth —

poch ich muss schon wirklich sagen:

Manchmal war' ich lieber todt!

Biedermeiers £iebeslenz

Cheil mit Herzblut gedichtet

Mer €mma!

pa flehte ich urr\ peine Xiebe,

Sch /lehte hö/lich aber fest,

Veil einen] solchen heissen Triebe
Sich nicht so leicht gebieten lässt!

pu aber sprichst mit schnöder fühlet
„Mein Herr! Vie kommen Sie mir vor?
Mit was /ür stürmischen] Ge/ühle
Verletzen Sie mein keusches Öhr?“

önd mit gerümpfter Miene stehst Pu
Önd wendest pich empört und stumn] —
0 theure Jungfrau, sprich: wie gehst pu
Mit einen] vollen Herzen unq?!

Öffnung

Seht die Holde, wie sie dasitzt,
Vie ihr sanfter pusen wallt!
V^önnt’ ich nur errathen, was itzt
Jhr durchschauert die Gestalt?

Bernhard Pankok (München)

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Bernhard Pankok: Zierrahmen
Biedermeier mit ei: Biedermeiers Liebeslenz
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