Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 2 (Nr. 27-52)

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Nr. 44 (Redaktionsschluss: 17. Oktober 1900) J U G £ N D

1900


Hiemit sei unsern Lesern das geistige Berlin vorgestellt,
wie es sich nach der Versicherung des Herrn Hermann
Tietz bei der festlichen Eröffnung von dessen neuem
Waarenhaus versammelt hatte.

Um aber nicht partikularistischer Voreingenommenheit be-
schuldigt zu werden, stellen wir hier auch das geistige
München dar, wie es dem Fremden am gleichen Datum
beim Oktoberfest sich präsentirte.

päpstliche Hllocution

nach dem Ceitor des Ucit vom Staffelstcin

Der Papst im Vatikane sprach:

Die Welk steckt tief in Sünden —

Wo Bayerland's Prinzessin steckt,

Weiß Niemand mehr zu Künden.

Wie jammerschade, daß sie nicht
Ist auch nach Rom gefahren,

Ich patt’ schon meinen Tert bereit
Zür's Volk der Bajuwaren!

:|: vollen! vallera! :|:

Zür's Volk der Bajuwaren!

Doch Gesterreich's Prinzessinnen
Sind lieblich hier zu schauen,

Mein Herz frohlocket, daß sie sich
Zum heil'gen Vater trauen.

Trotzdem bin ich nicht sehr erbaut
von eurem schönen Lande;

Denn was dort heut' für Zustand' find.
Das ist 'ne wahre Schande!

So Mancher, der da fitzt und saß
Bei euch bequem am Ruder,

Der ist in meinen Augen nichts,

Als nur ein feiges Luder!

Sonst würd' er doch ein wenig sich
Mit seiner Zürsorg' sputen,

Daß immer mehr und mehr werd' Platz
Zür uns und unsere Kutten!

was soll denn das Geschrei nach Licht
Zür unsere braven Lämmer? —

Zum Scheeren greisen wir sie ja
Ganz gleich gut auch im Dämmer.
Zn Salzburg wär' die Hochschul' mir
Heut' lieber noch als morgen —

Die wird, wenn ich sie recht versteh',
Schon für die Dämm'rung sorgen!

Hoiho, was seh' ich dort sich nah'n
Zum Trotz für alle Tadler,

Apostel des Kroatenthums,

Den Stroßmay'r und den Stadlerl

— Ra, hast Da ihn südlich, Lob?

— Natürlich hab' ich ihn!

— So fang ihn doch!

— Ja — er lässt mich nicht aus!

Sei mir gegrüßt, vieledles paar.

Das Heut' kommt doppelspännig;

Der Stadler, der ja selbst nichts Hat.

Bringt gar 'nen Peterspfennig!

Hoiho, mein Stadler ist gesund.

Spricht deutlich mit Lmphase —

Ich patt’ schon Angst, mein theurer Sohn,
Du sprächest durch die Rase.

Gerüffelt hat der Kaiser Dich,

Run ja, das kann begegnen —

Was soll das hindern mich, den Papst,
Dich väterlich zu segnen!

Ls liegt das Großkroatenthum
Direkt mir im Programme,

Drum bleib' dem Rastelbinderstaat
Stets eine treue Amme!

Zum „Thee," den Dir der Kaiser gab,
Schenk' ich Dir süßen Kuchen —

Und wenn Du wieder Rüffler kriegst,

Dann komm' mich gleich besuchen.

Lanrin

Maurice Maeterlinck, der zu seinem Pri-
vatvergnügen Bienenzucht treibt, schreibt gegen-
wärtig an einem Stücke, das den Titel „Double
Jardin“ führt. Die Sitten und die Psychologie
der fleißigen Mitglieder des Bienenstaates sind da-
rin poetisch-mystisch dargestcllt.

Maeterlinck sollte sich die Mühe sparen I Eine
vorzügliche symbolistische Dichtung dieser Art exi-
stirt ja bereits: der berühmte Hymnus „Mein
Herz, das ist ein Bienenhaus, die Mädchen drin,
das sind die Bienen .

Herausgeber: Dr. GEORG HIRTH; verantwortlicher Redakteur: F. von OSTINI; G. HIRTH’a Kunstverlag, verantwortlich für den Inseratenteil: G. EICHMANN, simmtUch in München.

Druck von KNORR & HIRTH, Ge», m. beschr. Haftung in München.

ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
Arpad Schmidhammer: Nord und Süd
Monogrammist Frosch: Roberts beim Krebsfang
Laurin: Päpstliche Allocution
[nicht signierter Beitrag]: Maurice Maeterlinck, der zu seinem Privatvergnügen...
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