Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 2 (Nr. 27-52)

Page: 792
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jugend1900_2/0345
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Nr« 47 (Redaktionsschluss: 7. November 1900^ J TT Cr E ÜJ D •

1900

Tdtr Ätidafrtkonische flöälu>üf f (Talpa africana)

Der politische Knigge

Vor allen Dingen: Jederzeit
Bewahre der Mensch die ^östichkcitl
ouni Beispiele wenn Herr (Ccctl 2ihobcs,
Auf den, die Schuld des frühen Todes,

Von so viel Vloih und vergossncm Blut
Von tausend und tausend Menschen ruht ^
wenn dieser sich veranlaßt sah,

Protest dagegen zu erheben,

Daß wir tut deutschen Südafrika
Vertriebenen Buren Obdach geben,

Dieweil cs /,crr Rhodcs für besser hält,

Sic ganz zu tilgen aus der Welt,

Oder aufzuhcbcn, daß sie ihm dienen
'Künftig als Rulis in seine» Minen —
wenn er dies thut und Ihr zürnt ihm drob
O Rinder, werdet ja nicht grob!

Nennt ihn nicht etwa den „größten Schuft,
Der arhincr in dieser Erdenluft!"

2luch Worte wie „'Schubjack" und

„Schweinehund",

O nehmt sie nicht in Euren Mund!

Auch „frecher protz" und „brutaler Flegel"
Verstoßen gegen die Anstandsrcgel;
„Infamster Schurke seit Menschcngedcnkenl"
Der Ausdruck würde ihn sicher kränken!

2luch wenn Ihr „Räuber" und „Mörder" sagt,
Verdient Ihr, daß er Euch verklagt!

Nein! wenn Ihr schon was sagen müßt,
Sagt simpel: „Tccil Rhodes ist
Genau der nämliche Gentleman,
wie sein Herr Socius Thambcrlain;

Der Erstre ist des Letzter,, wcrth
Und der des Erster» umgekehrt!"

Dies dürft Ihr sagen ganz mir Fug
lind — glaubt mir! — cs ist grob

g c n u g,

Denn in der Worte rechtem Sinn
Steckt jede andre Grobheit d'rinl

tians

Loncurreiizkainpf

A. : „was bat denn Ihr Chef, warum
ist er so nachdenklich?"

B. : „Ja wissen Sie, er trägt sich seit
einiger Zeit mit der Idee, ein täglich
erscheinendes Wochenblatt zu
gründen!"

Ncickstags-Lrötkmmg

Paßt auf! Nun könnt Ihr was erleben,
Ein Schauspiel, das noch Keiner sah:

Die eignen Sohne zerren eben
Zum Pranger Frau Germania!

Sie spucken sich schon in die Hände'

Und ihr ins Antlitz, ivuthbewegt,

Und alles Werkzeug, das sic schände,

Ist liebevoll znrcchtgelcgt!

Wie man's mit Hexen trieb und Metzen,
Wird sie an's Marterholz gespannt,

Und Schergen reißen ihr in Fetzen
Vom Leib ihr königlich Gewand!

Den Strohkranz für die Kaiserkrone
In ihrer Flechten reichem Gold,

Da steht sie, aller Welt zum Hohne,

Die Allen würdig schien und hold.

„Ja ihr Racker, wo habt ihr denn eure Zopf' hin'bracht?"
„Die hab'n uns der Taver und der Maxl abg'schnitten, sie hab'n
g'sagt, wir wär'n Boxer und sie wären Verbündete."

Schon klettern sie ans jene Schrägen,

In rothe Henkertracht vermummt,

Und zetern lärmend ihre Klagen,

Der Menge zu, die rings verstummt.

. Erstaunet denn und ivcrdet inne,

Die Ihr von dieser Frau gemeint,

Sie hätte hohe Mutterminne
■Beit weiser Sorge treu geeint.

Erstaunt und hört: auf dieser Erde
Jst's allerorten traut und warm,

Nur nicht der Platz an ihren, Herde,

Nur nicht die Hut in ihrem Arm!

Sie ist nicht kühn — sie ist nur eitel,
Sie ist nicht stark — sie ist nicht rein!
Verbrechen liegt auf ihrem Scheitel
Ihr nahmt's für einen Glorienschein!

Ihr ganzes Hcldenthum ist Rohheit,

Und Blntransch ihre schöne Gluth
lind wüste Prahlsucht ihre Hoheit
lind ihre Thatkraft Uebermuth!

Sie ist das Raubthier in der Stille,

Das in der Schafe Hürden brach!

Und wenn sie fehlt, ist's böser Wille,

Und wenn sie irrt, ist's ihre Schmach!

Es wächst die Reihe ihrer Sünden
Mit Allem, lvas sie thut und spricht —
Wenn's ihre eignen Söhne künden,

So müsst Ihr's glauben — glaubt Jhr's nicht?

Am Schandpfahl, eingeschuürt in Eisen,
So steht sie vor den Völkern dort;
Gleich ivird man ihre Schuld beweisen.
Herr August Bebel hat das Wort!

V. O.

Unentwegt

®1> Biilow selbst das Staatsschiff lenkt,
Ob ckcmand anders für ihn denkt,

Gb Liilow heut der Kapitän,

Ob Jemand anders souverän,

Gb Bülow selbst die Richtung gibt,

Gb Jemand anders dieses übt,

Gb er den Kurs zur Rechten nimmt,

Gb er den Kurs nach links bestimmt,

Gb er im Zickzack sich bewegt,

Gb er sich matt vor Anker legt,

Das ändert alles gar nichts dran:
iberr Miquel bleibt der — Steuermann.

Servus

Herausgeber: Dr. GEORG HIRTH; verantwortlicher Redakteur: F. von OSTINI; G. HIRTH’s Kunstverlag, verantwortlich für den InseratentheÜ! G. EICHMANN, sämmtlich in München.

Druck von KNORR & HIRTH, Ges. m. beschr. Haftung in München.

ALLE RECHTE VORBEHALTE*
Servus: Unentwegt
O. Voigt: Boxer
Monogrammist Hammer: Der südafrikanische Maulwurf
v. O.: Reichstags-Eröffnung
Hanns (Hans): Der politische Knigge
[nicht signierter Beitrag]: Concurrenzkampf
loading ...