Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 5.1900, Band 2 (Nr. 27-52)

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Nr. 49 (.Redaktionsschluss: 21. November 1900)

JUGEND .

Lin Lunnenbrief*)

„Jnnixt geübte Nanni!

Entschuldige die Blutfleggeln, aber ich habe
krnd einen kinesischen Seigling wegen Schreiens
an die Wand geschmießen. Jeher sind mir ahlso
mitten drinn in Kihna und es get mir soweid gans
gnd blos tut mir vom rillen Morden der rechte
Arm we. Weißt, neben unser iß der Attila selig,
und der Damerlahn und der Dingsdingskahn
blos ein gans gleiner Waiselgnabe geweßen und
mir bansen schon so hunnisch, daß Zwei einen
hahlten ntießen biß ers klauben kabn. Unser Dienst
is ser schdreng. Von achte bis neine haben mir
Mordbrenn-Nntericht von einen englischen
Schersanten, der wo in Dranswaal wahr, und es
sehr gnd kahn. Jeden Tach wird ein anderes
Dörfel anzunden. Kranke, alde Leit, Kinder und
Frauenziemer, soweid mir sie nichd anders ver-
wenden können, schmeisen mir imer ins Feyer,
was ser lustich is. Dahn is Scheiwenschisn
unt weil! mir keine Scheiwen Ham, fangen mir
uns ein pur Kinesenweiber ohder Kuhli und schisn
trauff. Fon zenn bis ölf Ham mir Widder Un-
tericht im Plindern und Reckwirieren fon
einem rußigen Veldmehbel, denn der kahns noch
besser. Daß ivirt kleich bragdisch betriewen und
mir holn uns derbe! di Mcnaschi, di wirt gans
ans hunnisch gekochd nemlich undern Saddcl ge-
lechd und nacher tranf geseien und nacher ganse
Eßkatron Taraab bissi weich is. Menschenfleisch
kriechen mir nurr wehn kein anders da is und nei-

*) Dieser Brief, der auf die barbarische Kriegs-
führung der Deutschen in China mit geradezu gräß-
licher Helligkeit seine dunklen Streiflichter wirft, wird

uns von unserer Rcdaklionssreundin Nanni L.n

zur Verfügung gestellt.

1900

tich hat mein Gaul einen Saddeltruck kriecht von
einem alden Kinesen sein Schlegerl, was schon ein
bisel hart wahr. Nachmiddachs is Abschlachten
von kinesische Statsankehöriche, meysdens
Weiber und Kinder, weyl die Mansleit schneler
lauffn kühnen und wir sie nichd derwischn. Fon
treu biß fihr Ham mir Uebung im Länderraub
und es wird am Schlus so kemacht, das ein jehder
ein par Dezimalen aufwickelt unt iin Kofer mit
heimnimmt. Von fihr biß sümpf werde mir fotto-
unt kiehnemattograffirt, daderzu kamt der
Her Generaloberschtfeldmahrschaal selwer der wohnd
gans in der Näh und hat a's best' Haus. Nach-
her machen wir ihmer noch einen Raub zu ch und
nemen ein gleines Blutbad und reiten Widder
di Abendmenaschi undern Saddel weich. Die
höchern Ofisir laßn sich ihr Blutbad alli Awend
inß Kwarthier bringen. Dahn wirth ein bisel
mitti kinesischen Weiberleit scharniuzihrt unter Her
Leitnambd sagd schad gar nix von wegn der Ver-
ehdelung der Rasse. Liewe Nanni Du brauxt
gahr nichd eiffersichtich sein so ißt halt einmal der
Kriech. Schick mir doch einmal eine Liewesgab
den weißt vom Blutdurscht ahlein kahn ich nicht
lewen ich Hab schohn noch ein andern Durscht auch.
Ich Hab jeher im gansen ein Stucker 145 Bochser
und so um 300 einfache Kineser, 72 Weiber und
249 Kinder umpracht. Wehn ich die 800 voll Hab
sackt der Herr Veldwehbel werd ich Gefreiter. Die
Kineser sind eichendlich gans liewe Leite unt könen
sogahr kinesisch, waß bei uns; kein Mensch nichd
kahn, allso sind sic viil gebillteder als mir unt
sogahr der Her Reuchsgansler, der wos gahr nichd
kahn. Aber schad nix, wern masserkriett! Dadcr-
für Habens uns; ville hundert Jahr lang gehnnzt,
sackter Herr Kriexminisder. Ich bring diehr and,
ein par Kineserzöpf mit fiehr Deine Frißuhr.

Eß kissd dich 1000 X Dein ge3er

Schorsch."

$ t im m u n g s b i l d aus Süd-Hfrtha

Küchener-Friesshardt: „"Wir passen auf umsonst. Es will sich niemand — Heran begeben und dem Hut sein’ Reverenz — erzeigen . .
Baden Powell-Leuthold: „Nur schlecht Gesindel lässt sich sehn und schwingt — Uns zum Verdrusse, die zerlumpten Mützen. — Was
rechte Leute sind, sie machen lieber — Den langen Umweg um den halben Flecken, — Eh’ sie den Rücken beugten vor dem Hut. “

(Schiller, „Wilhelm Teil“ III, 3.)

Herausgeber: Dr. GEORG HIRTH; verantwortlicher Redakteur: F. von OSTINI; G. HlRTH’s Kunstverlag, verantwortlich für den Inseratentheil: G. EIGHMANN, sämretlich in München

Druck von KNORR & HIRTH, Ges. m beschr, Haftung in München,

AI.LH RECHTE VORBEHALTEN.
Monogrammist Hammer: Stimmungsbild aus Süd-Afrika
[nicht signierter Beitrag]: Ein Hunnenbrief
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