Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 15.1910, Band 1 (Nr. 1-26)

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(Frei nach Bürger „Oer Kaiser und der Abt")

Es war 'mal ein Kurfürst. Der Kurfürst

war schnippig.

Es war 'mal 'n Triarier. Der Triarier war üppig.
Drum dachte der Kurfürst beim vollen Pokal:
Den dicken Triarier, den kauf' ich mir mal.

„Drei Fragen lös' mir. Du bist ja gescheit!
Wie groß ist, sprich, die Unendlichkeit?

Zum Zweiten sei mir die Antwort erbeten:
Wie schwer ist die Welt samt Mond

und Planeten?

Zum Dritten — Triarier, spitze die Ohren —
Hab' ich dies schwierige Rätsel erkoren:

Was braucht man für einen Kork oder Proppen,
Um ein preußisches Iunkermundwerk zu stoppen?

Und löst Du die Fragen am Sonntag,

am nächsten.

So kriegst Du in's Knopfloch den Orden,

den höchsten!

Doch fällt Deinem Geiste die Antwort zu schwer.
So kriegst keine Liebesgabe Du mehr!"

Der Triarier dachte: „O weh! Ich bin pleite!"
Das Denken, es war seine schwächlichste Seite.
Verzweifelnd ging er zum Schweinestall hin,
Da wohnte nämlich sein Schullehrer drin.

„Hans Bakel, Du olles Volksschulkarnickel,
Der Kurfürst hat mich gewaltig beim Wickel!"
Er beichtete ihm die Schwierigkeit sacht.

Hans Bakel sagte: „M. W.! Wird gemacht!"

Am Sonntag, an goldener Saalesbrüstung,
Hans Bakel stand in Triarierrüstung.

Der Kurfürst höhnte: „Nun halt' Dich bereit,
Wie groß, sprich, ist die Unendlichkeit?"

„Herr Kurfürst, nichts leichter als dies zu

erkunden!

Schon Hab' ich die richtige Antwort gefunden.
Die Unendlichkeit ist, potz Wetter

und Gaul,

So groß wie 'n ostelbisches Iunkermaul!"

„Nicht übel, Triarier! Nun sollst Du mir reden:
Wie schwer ist die Welt samtMond und Planeten!"
„So schwer wie des Vizepräses Gehör,
Wenn ein Konservativer wird ordinär!"

„Recht brav! Mit welchem Kork oder Proppen
Kann man 'nen preußischenIunkermund stoppen?
Besinn Dich! Denn kannst Du's nicht sagen, o weh,
Sind Piepmatz und Liebesgabe passe!"

„Ein Leutnant, zehn Mann — ich hört's

mit Verdrießen —
Genügt, um den deutschen Reichstag zu schließen.
Den Mund schließt ein Dutzend Hausknecht'genau
Dem Maulhelden Kasperl von Ianuschau!"

„Famos, Herr Triarier! Das lasse ich gelten!
Den höchsten Orden herbei für den Helden!"
„Verzeiht mir, Herr Kurfürst! Macht keinen

Spektakel,

Ich bin nur derLehrer! Ich binnurHans Bakel!"

„Der Lehrer?" schrie da der Kurfürst ganz fahl.
„Am Ende auch noch nationalliberal?

So höre, Hans, die Belohnung anjetzt:

Du wirst nach Klein-Posemuckel

versetzt!" —

Hier ist die alte Historia zu Ende.

Der dicke Triarier rieb sich die Hände
Und schrie: „Aeh, äh, der Kurfürst soll leben!"
Drauf ward ihm ein großer Piepmatz gegeben.

Karicheu

*

Vermischtes

Herr Elard von Oldenburg ? wurde von der
BlünchnerKarnevalsgesellschaft „Die fidöllen Brüder"
alsKrügelredner gewonnen und wird an den kom-
menden drei Karüevalskagen seine Neichstagsrede
hier wiederholen.

*

Ter Kaiser hat dem Reichskanzler von Bethmann
Hollweg in Anbetracht seiner Berdienste um die
innere preußische Politik eine Rangerhöhung zuge-
dacht. Der Kanzler wird sich ab 1. Februar 1910
„Theobald Baron Bethmann aus dem Holzweg"
nennen

An die pariser!

Weh'! Das war ein Schreck, ein krasser,
Als die Seine brausend kam
Und im trüben, kalten Wasser
Ganz Paris ein „Fußbad" nahm!

Unermeßlich schien der Jammer,

Schrecklich war's, als man erfuhr:

Auch die Deputiertenkammer
Tagt in Wasserstiefeln nur!

Und mit Fluten, immer schnellern,

Stieg das Wasser in die Höh',

Wässerte in vielen Kellern
Noch den wässrigen p'tit bleu!

Auf den Dächern haufenweise,

Oder sonst halt irgendwo
Saßen die bewußten Greise,

Seufzten bang: tzue ä'eau! ()ue ä'eau!

Auch uns östlichen „Barbaren"

Fuhr der Schrecken ins Gebein —

Wer zur Seine je gefahren.

Dessen Sorge war nicht klein:

Denn uns Bayern, Preußen, Sachsen
Und noch andern Deutschen mehr
Ist sie fest ans Herz gewachsen,

Eure schöne Ville lumiere!

Darum fiel ein Stein uns Allen
Auch vom Herzen, als es hieß,

Wieder sei die Flut gefallen.

Im gefährdeten Paris!

Daß kein Unglück zu beklagen
Und daß lustig, wie zuvor,

Auch in diesen Schreckenstagen
Blieb der gallische Humor!

Und mit einer Freudenträne
Gratulier' ich, quietschvergnügt,

Weil das Kindlein an der Seine
Endlich wieder trocken liegt!

„ölugencl"

*

Herr von Oldenburg hielt es im Reichstag für
angebracht, den „verehrten Herren Bundesbrüdern"
ein Privatissimum über preußische Geschichte, preus-
sische Tradition und preußische Ueberlegenheit auf
militärischem Gebiet zu halten. Er meinte unter
anderem, die preußische Geschichte sei seinen „Herren
Bundesbrüdern" vielleicht nicht in dem Maße zu-
gänglich, wie ihm: „Wenn Sie, meine werten
Bundesbrüder, so lange denken können, denken Sie
mal fünfzig Jahre weiter zurück. Als ich drei Jahre
alt war, habe ich mit vieler Mühe einen Vers lernen
müssen, den ich dem alten Vater hersagen sollte:
„Und wenn der alte Fritze kommt und klopft sie
auf die Hosen, dann läuit die ganze Reichsarmee,
Panduren und Franzosen!" (Große Heiterkeit.) Wir
wollen also möglichst wenig an dem preußischen
Beispiel rütteln!"

Der gute Jauuschauer scheint seit seinem dritten
Jahre nicht allzuviel dazug.lernt zu haben. Wir
verehrten Bundesbrüder denken nicht nur fünfzig
Jahre, sondern sogar hundert Jahre zurück und
können doch keinen solchen unfreiwilligen Humoristen
finden wie den Januschauer.

Und konimt der Herr von Ianuschau
Und öffnet seine Schleusen,

Dann ruft der ganze Süden: „An,

Den lass' ma gern den Preußen!"

ver ängstliche Zur RichW Rost (München>

„Schon wieder eine Bornbe!" — „Nein, Majestät, das ist der Körnet!"
Redaktioneller Beitrag: An die Pariser
[nicht signierter Beitrag]: [ohne Überschrift]
Karlchen: Eine alte Historia
Richard Rost: Der ängstliche Zar
[nicht signierter Beitrag]: Vermischtes
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