Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 1 (Nr. 1-26)

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Heroismen

2m amerikanischen Staate Arizona
Heß sich der Gouverneur 24 Stunden
freiwillig im Zuchthaus einsperren, um
a"> eigenen Leibe zu verspüren, wie die
Zuchthausstrafe auf den Sträfling wirkt.

Diese an sich sehr heroische Hand-
^ngsuieije wird afcer weit übertroffen
u°n den geradezu selbstmörderischen
Entschlüssen einer Reihe von deutschen
Patrioten.

So wollen künftig die preußischen
^andräte ein Jahr lang als Landvolk-
Ichullehrer in Hinterponimern tätig sein,
UM zu fühlen, daß es diesen Leuten
>Mmer noch zu wohl ergeht.

Der Abgeordnete Georg Oertel be-
3>dt sich als Zögling in eine elsässische
2ürsorgeanstalt, um festzustellen, daß
Minier noch zu wenig geprügelt wird.

Der preußische Generalstaatsanwalt
'% sich vor der III. Strafkammer des
berliner Landgerichts I als Zeuge ver-
Uehmen, um zu konstatieren, daß es
e>ne Lust ist, unter Eid aussagen zu
"Ursen, und der gewesene bayrische
^ustizminister von Miltner macht noch
emmal den Staatskonkurs, um als

5*

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reierjurist seinen Lebensabend zuzu-

»igen.

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„Wie stehst Du denn jetzt mit Deinem alten Herrn?" — „O —
ganz korrekt, wir verkehren nur schriftlich miteinander!" —
„Ganz offiziell? Oder redet Ihr Euch noch ,psr Du' an?" —
„Das natürlich, wir sind ja Rorps-Brüder!"

Was ich in Gaffel erlebte

(Der „Frkf. Ztg." zufolge kommt auf
je 200 männliche Einwohner der Resi-
denzstadt Kassel ein Bürger, der den Titel
Rat führt.)

2ch hatte die Perronsperre passiert,
dem Ofterknipsrat mein Billet abge-
geben, und ließ mich in einer Droschke
votn Hottehürat ins Hotel fahren, all-
wo mir der Schlüssellochguckrat eilt
Zimmer anwies. Nachdem ich im Speise-
saal einen Zustizrat, zwei Rechnungs-
räte, drei Regierungsräte und vier Bau-
rüte kennen gelernt hatte, verließ ich
das Hotel, wobei ich einen Landgerichts-
rat umrannte, sodaß ich beinahe einen
Medizinalrat aufsuchen mußte. Ich
kaufte mir beim nächsten Stiukadores-
rat ein paar Zigarren und sah mir die
Stadt an. Als ich das Rathaus be-
trachtete, fühlte ich plötzlich, wie mir
ein Oberklaurat das Portemonnaie aus
der Tasche zog. „Herr Blaurat," schrie
ist) dem nächsten Schutzmann zu, „zu
Hilfe!" Anscheinend aber hatte ich da
einen falschen Titel gewählt, denn der
Mann verhaftete mich wegen Beamten-
beleidigung zum großen Gaudium der
umherstehenden Schuhbesohlungslern-
räte. Erst als ich titid) als Dichtereirat
legitimierte, wurde ich freigelassen. Ein
Töfftöffrat brachte mich ins Hotel zu-
rück, wo mir der Liftrat versichertem
„Danken Sie dem Oberhimmelsrat,
daß Sie so gut weggekommen sind,
Herr Obertintenrat!"

Karlchen

Die Dame

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Beda: Heroismen
Monogrammist Pentagramm: Vater und Sohn
Karlchen: Was ich in Kassel erlebte
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