Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

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Max Feldbauer (München)



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Von H. De Hora

Die tapfern Schwolischöh mit ihren flinken Nossen,

Sie kommen von der Höh wie 's Wetter hergeschossen:
Der Donner sind die Gaul',

Die Lanzen sind die Blitzen!

Mein Lieber, da tatst spitzen,

Schlagt Dich der Blitz aufs Mäul!

Sie fürchten keine Feind und auch nicht das Terrain.
Wodatz sie immer seind, sie stürmen kühn darein;
Fallt einer auch in Dreck,

Es kümmert ihn nicht weiter —

Er steigt auf seinen Haiter
Und reitet wieder weg.

So dienet er in Trab und Treue seinem Land.
Dann zieht er freudig ab in den Reservestand,
Sagt seinem Rotz Adö
Und seinem grünen Kleid!

Und bleibt doch allezeit, ja,

Ein tapfrer Schwolischöh.

die Uhr aus der Tasche. Niemand beachtete seine Worte. „Reit-
stiefel trägt man," fuhr er nach einiger Zeit lauter fort, „waruin
bringt man nicht gleich den Gaul mit?"

In dieseni Augenblicke wurde Tautau durch dumpfe Tronimel-
schläge abgerufen. Der Weitgereiste richtete sich langsam auf und
sagte nm überlegener Ruhe, bemessen leise zu seinem Nachbar: „Junger
Herr, Sie sind grundlos unartig oder eifersüchtig."

„Ich eifersüchtig?" — Walter senkte unvermutet den Kopf, biß
sich auf die Lippen und flüsterte dann seltsain kleinlaut: „Ich schäme
mich doch."

Diese, vorzügliche Erziehung verratende Äußerung der Zerknir-
schung mochte wohl das Mitgefühl des älteren Herrn erweckt haben,
denn er reichte, wie kameradschaftlich, seine Rechte hin und entgegnete
herzlich, als wollte er ein zu schroffes Wort wieder gut machen: „Run,
wenn Sie so sprechen, dann wollen wir alles vergessen und uns ver-
tragen."

Walter ergriff aber nicht die dargebotene Hand. Er entfernte
sich stumm ohne Gruß, bahnte sich hastig einen Weg durch die Zu-
schauermenge und lief heimwärts, durch die stille Laternen-Allee,
tief in etwas gebeugter Haltung und mit schlürfenden Schritten durch
die schwarze Gasse nach Hause.

Wer würde künftig ihn! aus Liebe Hosen bügeln?

Hans Bötticher

Der Musiktempel

Von Hans Brück

„Ja wir leben in einer Zeit, die arm ist an Idealen," seufzte
die Frau Landmesser. —

„Arm an Idealen?! Ich gehe sogar soweit, zu behaupten, das;
sie die Ideale, die noch vorhanden sind, einfach mordet," erwiderte mit
schöner Entrüstung die Frau vereidete Bücherrevisor. — „Ganz meine
Meinung," stinunte die Frau Geheime Rechnungsrat bei, „sie fährt
sie tot mit ihren Autonwbilen, sie fliegt sie tot mit ihren Luftschiffen
und sie..." Da gingen ihr plötzlich die modernen Tötungsarten aus,
aber sie faßte sich schnell und Krönte ihren herrlichen Satz mit der
Endung: „Wie gesagt." —

Die Frau Postdirektor äußerte nichts, sie seufzte nur. Aber tu
diesem Seufzer lag eine Welt von Erfahrung, schmerzlichster Erfahrung.

Und alle Damen der Kaffeegesellschaft blickten auf sie mit dem
gönnerhaften Verstehen im Blick, das so trostreich sein kann, auch
ohne Worte. Aber da sie die Worte doch nicht ganz entbehren konnten,
so gab es einen gemischten Chor aus: „Ja, ja, Sie können mitreden.
— „Ra, Sie haben es ja erfahren" und „Gott, wer das erlebt hat,
was Sie . . . !" Und die kleine, alte, gänzlich unbetitelte Frau Spahr-
hahn, die eine Sache immer erst dann kapierte, wenn sie bereits er-

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A. De Nora: Cheveaulegers-Lied
Max Feldbauer: Illustration zum Text "Cheveaulegers-Lied"
Hans Brück: Der Musiktempel
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