Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 17.1912, Band 2 (Nr. 27-52)

Page: 1157
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Lriek Wilke

Endlich was Heues aus Afrika! Auf dem rripoliranifchen Kriegsschauplatz ist die Schlafkrankheit ausgebrochen!

Balkan

Es rauscht in den Zeitungsblättern:

Verdächtig leuchtet der Ost.

Und täglich mit drohenden Lettern
Erschreckt uns die Extrapost.

Der Bulgare, der alte Schlawiner,

Lechzt Kreischend nach blutigem Strauß,

Und selbst der Montenegriner
Zst gänzlich „aus dem Hous"!

Der Peter, der alte, der zage,

Wird heißer trotz Kälte und Frost:

Schon kratzt er am hellen Tage
Vom stumpfen Sabel den Rost.

O Gott, ich ahn' eine Erden-
Katastrophe schrecklich und schrill:

Was soll aus dem Türken noch werden,
Wenn jeder ihn fressen will?!

Und doch bleibt das Schwert in der Scheide,
Denn die vorlauten Hetzer, die drei,

Sie sitzen zu tief in der Kreide,

Da ist's mit dem — Pumpen vorbei!

.j. Beda

Energische Maßregeln

Man hat der bayrischen Regierung ganz zu
Unrecht vorgeworfen, daß sie nichts zur Linderung
der allgemeinen Teuerung und der Fleischnot ini
besondern getan hat.

Run haben die Minister kürzlich eine Fleisch-
notkonferenz abgehalten, aus der hochinteressante
Einzelheiten an die Öffentlichkeit dringen. So
steht jetzt fest, daß die neue Regierung in aller
Stille, aber mit aller Energie den letzten Ursachen
des Übels nachgegangen ist und die Wurzel des
Unheils entdeckt hat:

An der Teuerung, der Fleischnot und der
andauernd ungünstigen Witterung sind nachge-
wiesenermaßen die 110 Sozialdemokraten schuld,
die zu Anfang des Jahres in den Reichstag ge-
wählt wurden.

Auf den Vorschlag des Ministers der „ewigen
Wahrheiten" hat die Regierung dem Vernehmen
nach drei Maßregeln beschlossen, um der Not
abzuhelfen:

1. Nach München wird sofort ein eucha-
ristischer Kongreß einberufen.

2. Zn allen bayrischen Städten mit über
5000 Einwohnern werden Zesuiten-Missionen —
pardon — Konferenzen abgehalten.

3. Die ländliche Bevölkerung wird auf Kosten
des Staates mit der Bahn nach Altötting oder
nach Wahl der Teilnehmer an der Wallfahrt
nach Lourdes befördert.

Endlich eine greifbare Tat, wofür sich das
Volk bedanken wird! Beda

*

Maiiöverpech

Bei den französischen Manövern wurde der
Befehlshaber der roten Armee mit den Offizieren
seines Generalstabs von der blauen Armee ge-
fangen genommen, so daß das Manöver abge-
brochen werden mußte. Gegen den Spott, der
ihm aus diesem Anlaß zuteil wurde, wendet sich

„Sie, hört 's denn bei Ihnen gar nimmer
auf zu regnen?"

„O mei, es is allemal wieder schön wsrn,
nur -anmal, da is 's nimmer schön wsrn."

der Befehlshaber mit folgendem Brief: „Zch
kann überhaupt garnichts dafür. Erstens war
ich an dieseni Tage etwas verwirrt, weil rings
herum so viel geschossen wurde, was ich bei
meiner Nervosität nicht vertragen kann, und weil
in der Luft solche Dinger herumflogen, die mir
später als . Äroplane vorgestellt wurden, Solche
Dummheiten, die im Ernstfall das größte Un-
glück anrichten könnten, sollte man doch unter-
lassen! Zweitens hat mich der Gegner in heim-
tückischer Weise umzingelt, ohne mir vorher
etwas davon zu sagen! Und ein Schutzmann war
auch nicht in der Nähe! Unter solchen Umständen
hätte selbst Alexander der Große die Schlacht
als reglementwidrig einfach aufgegeben. Über-
haupt ist es kein Benehmen, mit mir einen Krieg
anzufangen zu einer Zeit, .in der ich prinzipiell
keine Besuche empfange! Wo so wenig Rück-
sicht geübt wird, da spiele ich einfach nicht mehr
nnt! Da ergeb' ich mich einfach und setz' nur
meinen Zylinder auf, in dem ich überhaupt viel
schöner aussehe als in Uniform." Bim

*

Ein Attentat auf den Papst verhindert!

Vom Kardinyllegaten wurde gelegentlich des
Euchariftischen Kongresses in Wien dem Papste
ein Huldigungstelegramm geschickt, in dem es
heißt: „Die Teilnehmer des Kongresses bitten
den Erlöser inständig, daß er den Papst erhalten
und ihn nicht den Händen seiner Feinde über-
liefern wolle."

So ist es denn aufgekommen: Die Feinde
des Papstes, die Athe-, Mo- und Modernisten,
hatten die Absicht, Pius X. zu entführen, ihn
graufamlich zu martern, in finstere Kerker zu
werfen und ihn überhaupt so zu behandeln, wie
etwa in früheren Jahrhunderten die Ketzer vom
Papst behandelt wurden. Nur durch das Gebet
der Kongreßteilnehmer wurde der Papst gerettet
und das Attentat verhindert!

Oder wäre es gar nicht geplant gewesen? .

Dann hätten die Kongreßteilnehmer dem Er-
löser was Gehöriges vorgelogen ! ' 1 > .

— Die Katholiken dürfen zwar nicht lügen —

Aber sie dürfen von ihren geistlichen Oberen
belogen werden! i"'J ’ —
Bim: Manöverpech
Erich Wilke: Der schlafende Mars
Beda: Balkan
Monogrammist Frosch: Regen
Beda: Energische Maßregeln
-Ps- -ps - ps -: Ein Attentat auf den Papst verhindert!
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