Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 1 (Nr. 1-27)

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Liebe lugend I

Als ich in Paris war, traf ich einen Freund,
der eben im Begriff war, in eine Apotheke zu
gehen, um sich ein Laxiermittel zu holen. Da er
aber so viel wie gar kein Französisch konnte, bot
ich ihm an mitzugehen und für ihn zu sprechen.
Er bestand aber darauf, daß er selbst die Sache
verlangen wolle, und da ich neugierig war, ging
ich mit in die Apotheke.

Nachdem er nun lange in seinem Wörterbuch
herumgesucht hatte, ohne jedoch das Richtige zu
finden, verstieg er sich, indem er vielsagend auf
seine Hinterfront wies, zu folgendem bedeutungs-
vollen Satze: „Je suis tout ferme I“ Und er be-
kam das Gewünschte.

*

Im Pastorat zn N. hat der Storch zum ersten-
mal Einkehr gehalten und ein niedliches, dralles
Mädel in die wiege gelegt. Die kleine Erden-
bürgerin muß sich in den ersten Lebenswochen
unter Schreien und Strampeln die Liebesbezeu-
gungen aller Mitglieder der näheren und ferneren
Verwandtschaft und Freundschaft gefallen lassen.

Da kommt eines Tages auch Frl. X., Lehrerin
an einer Mädchenschule der Umgegend und frühere
Mitschülerin der Frau Pastor.

Sie nimmt das Kind in ihre Arme, tänzelt
mit ihm das Zimmer auf und ab, streichelt und
knutscht es recht mütterlich, wird dann aber plötz-
lich ganz ernst und sagt, wobei sie über und über
errötet, zu ihrer Freundin:

„Ach, Llaire, weißt Du, so ein herziges Baby
hätte ich auch gar zu gern! wenn ich nur wüßte,
wie ich auf so anständige weise wie Du
dazukommen könnte!"

Jn Monte Carlo

A. Schmidhammer

„Erlauben Sie gicdichst, ich mechte ooch ämal ä Schbielchen riskier»: genn Se mcv
»ich ännc Mark wechseln?"

Ich esse in einer billigen Pension, in der
immer sehr große Portionen Fleisch auf den Tisch
kommen. Mein Freund X. — der stets behauptet,
es werde dort nur Pferdefieisch verabreicht — ließ
sich überreden, einmal mitzukommen. Unter anderem
wurde auch Gänsebraten aufgetragen, von dem

mein Freund einen riesigen Flügel entnahm und
auf seinen Teller legte. Ich flüsterte ihm über-
legen zu: „Na, ist das vielleicht auch Pferdefleisch?"

„Freilich," sagte er mit unerschütterlicher
Ruhe, „die Bande hat den Pegasus geschlach-
tet!"

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bis zur beuligen Vol-
lendung des

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Jiui ctM’ulueii LtuMtellunuen Ulttot man aut' die Müuehner „JUGKND" llezun zu liebmen.

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[nicht signierter Beitrag]: Liebe Jugend!
Arpad Schmidhammer: In Monte Carlo
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