Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 18.1913, Band 2 (Nr. 28-53)

Page: 1597
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Herrn von Westarps ?kdendgebec

Himmelkreuzmillkönendonnerwetter!

Lieber Gott, sei mein Erretter!

Beschütze mich vor aller Qual!
Schockschwerenotsnkramentnocheinmal!

Ich sende mein Gebet empor!

Verfluchtes, heiliges Kanonenrohr!

Beschütz mich, bis die Sonne brennt!
Granatenbombenelement!

Erstaun' nicht über dies Gebet!
Gewitternocheinmalverfluchtundzugenaht!
Du, lieber Gott, bist halt Zivil
Und ich red' im schneidigen Landratsstil,
Rührteuch, Amen!

Kartellen

Der Gang nach dem Eisenhammer

Ein frommer Knecht war Theobald
Und in der Furcht des Herrn
Ergeben der Feudalgewalt
Des Reichsvogts von Savern.

Er war so sanft, er war so gut,

Doch auch des Vogtes Übermut
Hat er geeifert zu erfüllen,

Mit Freudigkeit, dem Herrn zu Willen.

Darob entbrannt' in Michels Brust,

Des Schafhirts, gift'ger Groll,

Bis ihm in böser Redelust
Die schwarze Seele schwoll.

Er schrie ins Land von Hochverrat —

Hell auf sproß der Empörung Saat:

„Fort mit dem Tropf zum Eisenhammer!

Er büße für des Volkes Jammer!"

Und in des Ofens glüh'nden Guß
Stieß man den Knecht zur Stund' —

Doch sieh! Vom Kopfe bis zum Fuß
Blieb heil er und gesund!

Roch niehr — ein Wunder war gescheh'n!
Wo man zuvor den Knecht geseh'n,

Da lag der Michel, jener Lümmel,

Und brannte auf wie dürrer Kümmel.

Wo frisch und klar der Donauquell
Aus grünem Moose tropft,

Saß grad' bei einer Bachforell'

Der Herr, als sanft es klopft'.
„Unglücklicher, wo kommst du her?"
„Vom Eisenhammer!" — „Nimmermehr!
So hast du dich im Lauf verspätet?"
„Herr, nur so lang, bis ich geredet!"

Zn tiefes Schweigen fiel der Herr,

Die Gabel sank ihm fort —

„Und welches war das Questionnaire
Am Eisenhammer dort?"

„Herr, dunkel war der Rede Sinn!
Zur Donau wies man lachend hin:

,Du bist besorgt und aufgehoben!

Der Herr wird seinen Diener loben!‘"

Da nahm, wie sonst er selten pflegt,

Der Herr des Knechtes Hand,

Zeigt ihn dem Volke tiefbewegt,

Das nichts davon verstand:

„Dies Kind, kein Engel ist so rein,
Laßt 's eurer Huld empfohlen sein!
Und daß ich königlich ihm danke,
Reicht ihm von meinem Fürstentranke!"

Jörg Ritzel

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Ostelbisches

Graf Westarp hatte letzthin den Teufel zu
einem W e ttf l u ch e n gefordert. Natürlich ist Herr
Mephistopheles in Grund und Boden gehimmel-
donnerwettert worden.

Schutz der Schwachen

Der Kriegsminister hat sich geweigert, die gegen
den Leutnant v. Forstner verhängte Disziplinar-
strafe im Reichstage mitzuteilen; es widerspreche
dem Zweck und dem Wesen der Disziplinarstraf-
gewalt, den Bestraften der öffentlichen Kritik preis-
zugeben.

Sehr richtig! Die Vertreter der Öffentlichkeit
sind der Reichstag und die Presse. Em Mann,
der die Ehre gehabt hat, im militärischen Diszi-
plinarverfahren zur Verantwortung gezogen zu
werden, wird dadurch hoch über einen Preßkuli
oder gar über einen Reichstagskerl emporgehoben,
zumal diese Subjekte gar kein Disziplinarver-
fahren haben. Der disziplinarisch bestrafte Rock
des Königs würde durch eine Veröffentlichung
der Bestrafung geradezu kompromittiert werden.
Und deshalb ist es ganz richtig, daß zu den vier
Gemeinen, durch die der Leutnant v. Forstner bis
zu seiner disziplinarischen Bestrafung mit aufge-
pflanztem Bajonett geschützt wurde, nach seiner
Bestrafung der Kriegsminister getreten ist, der mit
gezogenem Degen das Kommando über die Forst-
nerschutztruppe übernommen hat.

Kliedive

Moderne Weihnacht

R, Rost

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„Heuer stellen wir zu Hause keinen (thristbaum auf,
brauchen den Platz zum Tango-Tanzen."

Heinrich Heine

spricht in Frankfurt aus dem Steine:

Bin ich der Heinrich Heine —

Auf offnem Platz dahier?!

Wie neu ich mir erscheine!

Wie wunderlich ist mir!

Zch fühl mich ja ergriffen,

Zch fühl mich ja gerührt. . .

Nur etwas abge'chliffen
Und wie noch nie poliert.

Und daß. man mir's gestalte —

Auch scheint mir's andrerseits:

Daß ich kein Denkmal hatte,

War doch ein eigner Reiz?

Nun steh ich auf dem Platze
Als wie vom Geist umhaucht,

Und bin doch manchem Spatze
Der Zielpunkt, den er braucht.

Doch kommt wohl Zeit, kommt Regen
Und wä'cht mich blank und rein. . .

Es muß wohl doch ein Segen
Um so ein Denkmal sein!

Elf Ess

Epigramme

An den Redakteur des „Elsässers"

Du hast kein Recht, entrüstet laut zu tuten,

Non, non, Du nicht, Du saubrer Teufelskoch!
Die Dir vertraut, den armen drei Rekruten
Brachst Du Dein Wort und brachtest sie ins Loch.

Der Forstner liegt dem Elsaß schwer im Magen,
Doch traurig wär's, wenn es darob vergäß',

Sich laut von Deinesgleichen loszusagen,

Denn Du, mon eher, Su bist un grand

„Waquese“!

Episödchen

Zch Hab' an meinem Schreibtisch sacht
Der Militärjustiz gedacht:

„Bei den Rekruten ging's hopp, hopp,

Da ritt Zustitia im Galopp,

Zedoch bei Herrn von Forstner ritt
Die Dame mehr im Schneckenschritt
Und bei dem Herrn von Reuterlein
Schläft sie — so scheint's — im Sattel ein.

Und-" Plötzlich von der Straße her .

Klang's wie Musik vom Militär.

Was ist es, was mein Ohr vernimmt?
„La donna e mobile“

Stimmt! Stimmt!

Kartellen

*

SoU'ii wir

nach San Francisco geh'»?

(3ur WeltaussteUungsdebatte)

Deutschland in der Welt voran!

Zst die Losung stets gewesen. . .
Plötzlich stellt man Angst um Spesen
Und um bares Geld voran.

Bureaükraten sind entsetzt,

Weil sie etwas eilen müßten, 19141
Und auf dem verweilen müßten,

Den man mit dem Beinkleid wetzt.

Schlauheit spricht: warum denn dies
Bloß Amerika zuliebe?! —

Daß man doch am Ofen bliebe!

Seufzt ein Bürger namens Spieß.

Solchermaßen hin und her
Wird die Absicht scharf erwogen,

Und dann schreibt man auf den Bogen:
Leider — reicht die Zeit nicht mehr! —
Wie verfolgt ihr nun den Zweck,
Deutscher Industrie zu nützen?

Alle Frithjofs, alle Fritzen
Sind doch schon ans Ausland weg!?

Elf Ess

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[nicht signierter Beitrag]: Epigramme
Eff Ess: Soll'n wir nach San Francisco geh'n?
Jörg Ritzel: Der Gang nach dem Eisenhammer
Eff Ess: Heinrich Heine
Karlchen: Herrn von Westarps Abendgebet
Richard Rost: Moderne Weihnacht
Karlchen: Episödchen
Arpad Schmidhammer: Ostelbisches
Khedive: Schutz der Schwachen
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