Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

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Dernier cri-Regie

Leutnant v. Sperrholz, der sonst nur für leichtes
Genre, für variÄä und Dpcrette schwärmt — er
holt sich ein Bittet zum Tannhäuser!

„Nanu!" staunt ein Kamerad, „Sie hören sich
Wagner an?"

„Ja," sagt Sperrholz, „beim Einzug der
Gäste gibt 's 'ne Modenschau mit Pariser
Mannequins!"

Ii, K.

*

Elsässer-Französisch

„Salon d’art“ ;u Strassburg

„Bonjour, monsieur Picquard! N’aimez vous
aussi pas l'öcole moderne?“ „Non, monsieur
Schmid, moi non plus! 's isch mir zue geklaxt des
Dings do! II kam prendre une grande distance u»
node rannt mer mit dem Buckel an, i dem klane Salon
hie. Mais fcoutez, was soll jetzt des do sin, mon-
sieur picquard, des versteht ja ken Teifel! C’est
horrible <;a! n’est-ce-pas? Mais, monsieur Schmid,
vous savez, aß mini Dochtcr molt, n’est-ce-pas?
Die rableaux sötte Sie mol sehn, c’est tout ä fait
une autre chose, vous savez, sie macht tableaux,
ganz groß!, nach Poschtkarte, avig scheen, e jedes
Blättle ka mer sehn und alli Bliemle auf de Matte,
c’est magnifiee ?a. Venez une fois chez moi, ich
ka's Ihne node zeie, c'esr une autre artl“ „Tiens,
tiens, ?a m’interesse fort, idj knmm e mol, rnais
(fcoutez, jetzt hav t genue; kumme Sie mit, mon-
sieur Schmid, mer packe jetzt e Schexpel, c'est l’art
verkable, n’est-ce-pas?“

A. Sclimidhamraer

Der Schwerenöter

„Aber, Herr Leutnant! (Slcids an jedem Arme
eine Dame!?" — „Ja, glauben Gnädigste, ich will
nur auf einer Seite glücklich sein!?"

Vas Abenteuer des Gottfried Schulz in England

Eine deutsch-englische Ballade
Bon Henry ,f. Urban

Herr Gottfried Schulz — Architekt — Berlin —
Fuhr jüngst nach Englands Gestaden:

Er wollte studieren die Architektur
Mit Giebeln, Gesimsen, Fassaden.

Und wie er studierte, begab es sich,
Dieweil er sich eben schneuzte,

Daß ein ganz reizendes Mägdelein
Zufällig den Weg ihm kreuzte.

Sic war so blond und von Augen so blau —
Und die Wangen so pfirsichrosig —

Und ach! so schlank und doch so voll
Und ganz hervorragend kosig.

Die warf ihm zu einen leuchtenden Blick,

Daß allsogleich Mut er faßte

Und er ihr folgte und zu ihr sprach:

Ob seine Begleitung ihr paßte.

Sic paßte ihr sehr und er lud sie ein,
Irgendwo mit ihm zu dinieren.

Sie sagte: „Mit Wonne!" und ging mit ihm,
Ohne sich lange zu zieren.

Sie war so zärtlich und so vergnügt —
Die süßeste kleine Hexe!

Und hatte den Schulz bald ganz betört —
Übrigens aß sie für sechse.

Dann wandelte er mit ihr zum Park —
Dort lockte die Bank, die versteckte,

Hier küßte er sic in fiebernder Lust —
Das kam von dem perlenden Sekte.

„Was kaitn ich Dir schenken?" ftagte er sie
Mit der schmeichelndsten aller Stimmen,

Da schlang sie die Arme um seinen Hals
Und brüllte: „Votes for women*)!“

*) Auszusprechen: NImmen.

SAIAMANÖER

STIEFEL

Sölamändei 5chuh<$es. m.b.H. Berlin Zentrale Iberlm¥ö Tncd.ndhslr.lS2.

Fordern die Musferbuch D.

- itei etwaigen neatellungen bittet man auf die Münolmer Bezug zu nehmen. J

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Henry F. Urban: Das Abenteuer des Gottfried Schulz in England
[nicht signierter Beitrag]: Elsässer-Französisch
Arpad Schmidhammer: Der Schwerenöter
L. E.: Dernier cri-Regie
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