Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben — 19.1914, Band 1 (Nr. 1-26)

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Bauernstreit

Auf dem Marktplätze eines südrussischen Dorfes
hörte ich einmal Bauern darüber streiten, wer
wohl der gütigste Zar gewesen sei? Die Mehrzahl
entschied sich natürlich für Alexander II., der die
Bauern von der Leibeigenschaft befreite. Da aber
rief ein pfiffig dreinblickendes Bäuerlein dazwischen:

„3 wo, Kinder, der gütigste und der weiseste
Zar ist der eben regierende!"

„Wie das? Warum? Wieso?"

„Xla, weil er das Branntweinmonopol einge-
führt hat, mein ich. Früher, fehl Ihr, da versoff
man im Kruge nicht nur seinen letzten Groschen,
der Krüger nahm auch das letzte siemd als Zah-
lung für ein Gläschen Schnaps und man war
froh, wenn mau nicht splitternackt nach siause
kann Jetzt aber sauf soviel du willst, du behältst
immer noch 'neu Groschen zurück, denn für das
kleinste leere Branutweinfiäschchen gibt man dir in
der Monopolbude immer noch 'neu Groschen zurück
und ein volles kaufst du dir dafür nicht mehr,
also bringst du den Groschen nach Bause zurück
und bekommst nicht mehr d i e Prügel von der
Utltcit, die du früher bekamst!"

Das pausten: seiner Dorfgenossen kraulte sich
lächelnd hinter den Dhren und einige stimmten
dem Pfiffigen bei:

„Eigentlich hat er so unrecht nicht . . ."

Edgar Jleaching (St. Petersburg

Schul-Humor

In der deutschen Stunde liest ein Kind: „
war alt und gebrechlich."

Lehrerin: „Erkläre mir das Wort
brechlich'!"

Kind: „Sie mußte sich immer übergeben.

Sie

ge-

1i. 1i08t

früklingsbelracklung

„Go a Baum stat's halt schön, der kriegt alle Jahre
seine Haare wieder!" _

Liebe Jugend!

Mein Neffe, als Bub ganz das Gegenteil eitles gehorsamen,
wohlerzogenen Sohnes, hat es im Laufe der Jahre zu einem angc-

fehetren Lhirurgen gebracht. Er ist in einem
Krankenhause tätig und benutzt gerade einige freie
Minuten, um im Lorridor sich etwas zu ergehen.

Da kommt eine ältere Frau, anscheinend einen
Krankenbesuch machend, an ihm vorbei, sieht ihn
an, stutzt und ruft dann plötzlich hocherfreut aus:
„Sag, biste nit sauer von Meiers Buwe?"

Der perr Doktor, momentan überrascht ob dieser
wenig respektvollen Anrede, erkennt alsbald in der
Alten eine in seinem Elternhause beschäftigt gewe-
sene Putzfrau, und bejaht die Frage.

Die, Alte aber wiegt den Kopf, betrachtet den
vor ihr stehenden in seinem weißen (Operations-
kittel von oben bis unten und sagt dann halb
mitleidig halb vorwurfsvoll: „Ja, ja, siehste, häste
als besser uff dei(n) vadder und dei(n) Mudder
geheert, bräuchste heut kan Weißbinder zu sinn."

Hur nicht sich imponieren lassen!

Die Schwarzwälder machen ihre Hochzeitsreise
meist entweder nach Beuron oder Eiusiedcln. So
war jüngst wieder einer dabei, seine junge Frau
dorthin zu führen. Nach langem Berumirren im
neuen Baseler Bahnhof gelatigtetr sie in die Bahn-
hofrestauration, wo sie Mittag machen wollten.
Sie trüget: detn befrackten Jüngling ihren diesbe-
züglichen Wunsch vor.

Wünschet: die Herrschaften tadle ä'hüle oder
L In carte zu speiset:?" fragte er.

„pä?" meinte der Schwarzwälder.

Der Kellner wiederholte und erhielt die Antwort:

„'S isch is eitnp; na, briirgc Si vo beiden: ä
weng^), wenn nur fjerbepfcl8) däbi sin!"

l) gleichgültig; a) ein wenig; 3) Aartoffeln.

Die größte Wohltat, die Sie Ihrem Maar erweisen können.

Die natürlichste und zroeckmäßigste Haarpflege
besteht in regelmäßigen Kopfroaschungen mit PixaDon,
einer durch patentiertes Veredelungs-Verfahren geruch-
q los gemachten flüssigen Teerseife. Pixaoon reinigt das
Haar nicht nur, sondern roirkt durch seinen Teergehalt
di ekt anreoend auf den Haarboden. Es gibt einen
prachtvollen Schaum und läßt sich sehr leicht von den
Haaren herunterspülen.

Schon nach wenigen PixaDon-Waschungen roird
jeder die wohltätige Wirkung verspüren, und man kann
wohl das Pixavon als das Idealmittel zur Haarpflege
ansprechen.

Preis einer Flasche PixaDon (Monate ausreichend) z Mark.
Zu haben in allen Apotheken, Drogenhandlungen und Parfümerien.
— PixaDon-Haarroaschungen führen alle besseren Herren- und
Damen-Friseure aus.

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