Adamy, Rudolf
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Friedberg — Darmstadt, 1895

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FRIEDBERG

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zwischen den vorspringenden Pfeilern des Chores und den Vierungspfeilern aus-
füllt. Dasselbe hat Klappsitze, ist mit Säulchen, an den Knäufen der Lehne mit
Blattwerk, Rosetten und Masken und an den Enden mit hohen durchbrochenen
Maasswerklehnen verziert.
Ein grosser Schrank aus Tannenholz mit schönen spätgothischen Flach-
schnitzereien und Eisenbeschlägen, der früher in der Sakristei der Stadtkirche stand
und zur Aufnahme von kirchlichen Gegenständen bestimmt war, befindet sich jetzt
im Grossherzoglichen Museum zu Darmstadt.
Zwei grosse Kronleuchter aus Bronze mit geschwungenen Armen und dem
Doppeladler der Stadt Friedberg sind eine Stiftung von Joh. Heinr. Berg aus dem
Jahre 1752. ')
Im Chore und Querhause haben sich in den Fenstern Glasmalereien aus der
Spätzeit der gothischen Kunst erhalten. Das Mittelfenster des Chores ist, nach
Ergänzung einiger unwesentlicher Stücke, vollständig und ein prächtiges Werk mittel-
alterlicher Glasmalerei, sowohl stilistisch wie in den saftigen, leuchtenden Farben.
Den untern Theil des Fensters füllt ein buntes Teppichmuster aus, den obern Theil
Figuren, die in reichen gothischen Bogenfeldern oder unter Baldachinen stehen.
Zwischen beiden Theilen sind drei Wappen angebracht, der Doppeladler zwischen
zwei einfachen Adlern, also die beiden Wappen, wie Stadt und Burg sie in ihrem Siegel
geführt haben. Die Figuren sind in zwei Reihen angebracht: die untere zeigt uns
einen Bischof, der einem Armen eine Gabe reicht, zwischen zwei heiligen Frauen,
die obere die in voller Glorie erstrahlende Madonna mit dem Kinde gleichfalls
zwischen zwei heiligen Frauen. Sämmtliche Figuren sind im Stile der gothischen
Spätzeit mit faltenreichen Gewändern, die Frauen lieblich, der Bischof ernst und
würdig dargestellt und kennzeichnen sich auch in der Zeichnung als tüchtige
Leistungen der Spätgothik. Auf dem reich gestalteten Baldachin der Madonna
steht ein Engel und in den Kreis des Bogenfeldes ist nochmals die Madonna
mit dem Kinde als Brustbild eingesetzt. Die beiden anderen restaurirten Fenster
des Chores haben nur noch Bruchstücke der ursprünglichen Glasmalereien, die eine
ähnliche Anordnung des Figürlichen wie in dem Mittelfenster zeigen; zu erkennen
sind noch die Gestalten von Christus, Heiligen, Bischöfen, vom Agnus dei. Im
Bogenfelde des im Uebrigen grösstentheils vermauerten östlichen Fensters des nörd-
lichen Querhauses sind Engel dargestellt.
In dem nördlichen Thurm der Stadtkirche hängen 7 Glocken.
1) Die Sonntagsglocke, 1,30 hoch 1,70 breit, trägt oben die Umschrift in
lateinischen Majuskeln:
1) JEHOVA WIRK IN DENEN AL DIE HOREN WERDFN
MEINEN SCHAL DAS SIE LAUFEN AN DEN ORT WO MAN HÖRET
GOTTES WORT ALDA ZU WIRCKEN IN DER ZEIT DAS SIE
BRINGT ZUR SELIGKEIT.
2) IN GOTTES NAMEN FLOS ICH. T1LMAN SCHMID VON
ASLAR GOS MICH.





2) Vgl. DiefFenbabh a. a. O. S. ßß6.
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