Adamy, Rudolf
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Friedberg — Darmstadt, 1895

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REICHELSHEIM

249

Die grösste Glocke der Kirche hat nach Schäfer*) die Aufschrift:
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Auch Pohl-Göns hat noch eine stattliche Zahl älterer Häuser in dem oben^)
geschilderten Typus. Wir theilen den Flur eines derartigen Hauses, in dem sich
noch einiges Schnitzwerk und an der Treppe auch die alten Profile erhalten haben,
in unserer Abbildung mit.


XXXV1H. REICHELSHEIM


1388

'TADT, auf dem rechten Ufer des Flüsschens Horloff gelegen, im Mittel-
alter genannt, lag in der ehemaligen Ful-
dischen Mark. Urkundlich wird sie zuerst 832 erwähnt. 3) Eine
Hälfte des Ortes sammt Wäldern, Vogtei, Kirchsatz etc. findet sich
Besitze der Herren von Falkenstein. *) Der letzte dieses Stammes ver-
tauschte diese Hälfte 1416 an den Grafen Philipp von Nassau,") dem 1423 die
fuldische Mark verschrieben wurde. Im Jahre 1370 kaufte Hessen die nassauischen
Rechte der fuldischen Mark an sich, jedoch wurde von diesem Kaufe nicht nur die
Hälfte von Reichelsheim ausgeschlossen, welche Nassau schon früher als fuldisches
Lehen hatte, sondern auch die andere Hälfte. Im Jahre 1740 ging Reichelsheim
wiederkäuflich an den Fürsten Heinrich zu Schwarzburg-Sondershausen über, der
sich vor dem Ostthor das unten zu erwähnende Haus baute; nach dessen 1738
erfolgtem Tode fiel der Ort an Nassau zurück. Erst im Jahre 1866 wurde Reichels-
heim hessisch.
Der Ort hatte seine eigene Pfarrkirche;^) sein Schöffengericht wird 1334 und
1364 erwähnt, ?) seine Landwehr 1570.
Die Pfarrkirche (Fig. 137 und 138) ist eine dreischifhge spätgothische Basi-
lika mit Kreuzgewölben, viereckigem Thurm und hohem Chorbau; die Pfeiler des
dreiwöchigen Langhauses sind rund und ohne Kapitäle; ihre Basen bestehen aus
Platte, Kehle und Rundstab. Der Chor besteht aus einem rechteckigen Joche und
einer mit drei Seiten des Achtecks gebildeten Apsis. Der Thurm steht seitlich zu
der Mittelaxe des Langhauses, wodurch Unregelmässigkeiten in der Stellung der
Rundsäulen und in den Gewölbefeldern entstanden sind; er ist Eigenthum der
Stadtgemeinde. Seine Maasswerkfenster weisen seine Entstehung in das Ende des
13. Jahrhunderts. Er ist oben mit einem Rundbogenfries verziert und hat über dem
Umgang einen massiven spitzen Helm in Gestalt einer Pyramide. Die Rippen der
Mittelschiff- und Chorgewölbe haben doppelte, die der Seitenschiffe und unteren


Urkdb. S. 244. 6) Würdtwein a. a. O. Bd. III. S. 12 u. 9g.
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