Adamy, Rudolf
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Oberhessen: Kreis Friedberg — Darmstadt, 1895

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KREIS FRIEDBERG


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Mitte dieses Hochaltares schwebt die bewegte Figur der Himmelskönigin in Wolken
und von Engeln umgeben, oben Gott Vater und Gott Sohn, die Krone haltend,
und der hl. Geist über ihnen allen. Auf einem Schilde an der obersten Bekrönung
des Altars lesen wir das Chronostichon: (GUhzUT? M72- AvzA? ZV*
Die Errichtung des Altars fällt
hiernach in das Jahr 1773. Vor dem Bogen über der Madonna trägt das reiche
Werk einen Wappenschild, wie wir ihn oben kennen lernten, mit den Buchstaben A. H.
Hinter dem Altäre ist die Orgeltribüne angebracht, deren Brüstung zu den Seiten des
Altars mit reichem Rococowerk verziert ist; die Kanzel ist in gleichem Stile errichtet.
Diese Einheitlichkeit des Stiles bis in's Einzelne hinein verleiht dem Kirchenraume
trotz der eleganten Beweglichkeit seines schnörkelhaften Rahmenwerks und bei der
Heiterkeit und Frische in der Gesammtwirkung eine gewisse, dem heiligen Zwecke an-
gemessene Ruhe und Würde. Dem heutigen Zwecke des Raumes freilich entspricht
die leichte und gefällige Art seiner dekorativen Ausstattung in keiner Weise. —
Von den Abendmahlsgefässen des ehemaligen Klosters ist ein spätgothischer
Kelch erwähnenswerth, dessen achteckiger Fuss mit einem Crucihxus mit geschweiftem
Querbalken und den knieenden Figuren eines Mannes und einer Frau verziert ist; er
ist eine Treibarbeit aus vergoldetem Silber, 0,163 m hoch und hat einen mit rauten-
förmigen Zapfen verzierten Nodus; letztere sind mit Rosetten verziert. Ein zweiter
0,22m hoher Kelch, dessen Fuss ein Sechspass bildet und dessen Nodus mit Ro-
setten und Buckeln schlicht verziert ist, trägt den Namen des Stifters und eine
Jahreszahl eingravirt: <?7%72<9 zZzd.
Der G7Y3AsA?272 des Stifters des Klosters und seiner Gemahlin hat sich trotz
der Umbauten des letzteren erhalten und ist an der Tribünenmauer aufgerichtet
und pietätvoll mit einem Rahmen aus Rococoschnörkeln in Stuck umgeben worden,
wodurch er dem Stile der Kirche angepasst ist. *) Die beiden, auf einem Sandstein
in Relief ausgehauenen Gestalten (Fig. 163) sind bemalt und beide ziemlich gute
Arbeiten. Der Mann hat perückenartiges, gelocktes Haar und trägt ein langes,
schlicht herabfallendes Untergewand und einen kurzen Mantel darüber; die Hände
hat er vor der Brust zum Beten gefaltet. Die Frau ist gleichfalls in langem,
schlicht fallendem Gewände und Mantel darüber dargestellt; letzterer ist in den
Armwinkeln aufgenommen; die Hände hat sie wie der Mann gefaltet; das Haupt
ist mit kopftuchartiger Haube und mit einer Kinnbinde angethan. Neben
dem Mann befindet sich das Bellersheim'sche Wappen, neben der Frau das
der von Düdelsheim. Zwischen beiden Köpfen ist der Bellersheim'sche mit dem
Einhornskopf gezierte Helm angebracht. Die Umschrift in gothischen Majuskeln
ist stark verschmiert; sie lautet: (JIRRO D(BI * 33CCC) XLIII -VIII - KL'
oceoR^iß - (5 joi?eß miLeß De. genoßi?' -
Nicht weit von diesem Grabstein liegt auf dem Boden der Kirche ein zweiter
mit zwei schlichten Wappenschildern über einander aus Lungenbasalt, auf dessen
Rande in gothischen Majuskeln steht: *F JTDO - DDI - (B - CCC - L -1111 - VI - Hilf -
mjii % ßemon .... De ^ocxiRRG' 31c ßepuL^aß
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