Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Ehemaliger Kreis Wimpfen — Darmstadt, 1898

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WIMPFEN A. B.

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Barbara Rollern, f ^586, mit einer leidlich komponirten aber schwach gemalten
Erweckung des Lazarus und den Bildnissen der Familie der Verstorbenen. —
4) Das Denkmal des (£hrnrxft rmb IDeifjen f)crm Baitbafar <£Yffenmenger alter
Borgermaifter bes hailigen Hcichs ftarb allbie $v ZDtmpffen im 84;. 3aln\ Dem

©Ott gneöig Pllb barmhärjig fey; f {otyö- — 5) Das in architektonisch-plastischem
wie malerischem und kunstgewerblichem Betracht prunkvollste dieser Denkmäler ist dem
REVERENDVS ET DOCTISSIMVS VIR D. M. ANDREAS WINSDIG WIMP:
VERBI DEI AD ZO (d. i. zwanzig) ANNOS MINISTER VIGILANTISS., \ ^600,
gewidmet. Der Aufbau der monumentalen Gedenktafel zeigt eine Pilasterstellung
mit stark ausladendem Gesims und darüber malerische Darstellungen der Kreuzigung
und Auferstehung von geringem Kunstwerth. Die an den Seiten der Pilastrirung
vortretenden dichten Ornamente sind mit zahlreichen Hausmarken der Denkmalstifter
bedeckt und können als eine heraldische Statistik der Wimpfener Familien am Beginn
des 17. Jahrhunderts gelten. Die beigefügten Initialen H. S. scheinen das Monogramm
des Ornamentisten zu sein. Kunsttechnisch beachtenswerth ist der Umstand, dass
nur die architektonischen und derberen plastischen Bestandtheile des Denkmales in
Holz geschnitzt sind, alles feinere Ornamentale hingegen, Genienköpfe und Arabesken
nicht ausgenommen, aus gestampfter Papiermasse (papicr mäche') bestehen. —
6) Das Epitaph des £hrnbaft vnb Dorgeacbtcten Xatbsbcrnt Dalentiitps ZTtöler, f
enthält eine gemalte Darstellung des auferstehenden Heilandes. — 7) Die Gedenk-
tafel des 3°f?rtnncs £>obd Synotais ber Kifterfcbaft aof öem (graichgap unb ge-
lpefencit 2{bpOCaten, t ^ 6 ^ 5, zeigt als Gemäldeschmuck und in visionärer Raum-
behandlung den thronenden Gottvater in einer Lichtglorie, umgeben von den apoka-
lyptischen Thierzeichen des Evangeliums und den symbolischen sieben Siegeln. Im
Schoosse Gottvaters liegt die heilige Schrift mit dem darauf ruhenden Opferlamm.
Angesichts der himmlischen Herrlichkeit ist eine Schaar von psallirenden und harfen-
spielenden Begnadigten — die vierundzwanzig Aeitesten der Apokalypse — in die
Kniee gesunken. Vor dieser Gruppe knieet Johannes der Evangelist, angethan in
feierliche Gewänder. Das apokalyptische Buch liegt vor ihm aufgeschlagen mit
der auf die dargestellte Vision bezüglichen Stelle des Kapitels 4, Vers 11 :
Digitus es, Domino Dens noster, aeeipere gloriam et honorem et virtutem, quin
tu creasti omnia, et propter voluntatem tuam erant et creata sunt; Würdig
bist Du, Herr unser Gott, zu nehmen Preis und Ehre und Macht; Du hast
Alles erschaffen und durch Dein Wollen war es da und ward erschaffen. —
8) Di<> Tafel des Hausherrn Zacharias 2Ibicht pnb feiner (EbcfratP Unna, f \6\7,
mit einer Kreuzigung und den Bildnissen der beiden Verstorbenen, kann im
Malerischen nicht mitzählen, wo von Kunst die Rede ist; dagegen stellt sich die
Pilastrirung mit symbolischen Reliefschilderungen des alten und neuen Testamentes
als eine befriedigende Leistung der Holzplastik dar. — 9) Ein Todtenschild enthält
das Wappen Derer von Rotenhan mit der Randschrift: (£apitail! Dett Plrtcb Dort
Hotenban j» Kcntipeinstorff vnb (Ebelsbach. Darunter folgt das Epitaph: £)bemartter
roolebler von Hotentjan liegt allbie ar>ff beut Kircf/boff bey bifem ^ctiftet vbei pnber
beut [teilt barapf bifes Wappen fampt ben rier 2tnneten gebaren, welcher geblieben
als bas treffen jtpifcfjen ben Bayerifcben vnb beim ber Din-Iad]ifchen annec bei
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