Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Ehemaliger Kreis Wimpfen — Darmstadt, 1898

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WIMPFEN A. B.

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Fig. 6g. Wimpfen a. B. Kaiserpfalz. Bogen/ries und Kranzgesims an der ehem. Pfalzkapelle.

Die Anlage der Kapellen in den kaiserlichen Pfalzen war an keine feste Norm Pfalikapelle,

Allgemeines

gebunden. Während in der Barbarossapfalz zu Gelnhausen das über dem Ihorbau
gelegene Geschoss als Kapelle sich zu erkennen gibt, erhebt sich der Kapellenbau
zu Goslar in freier Lage neben dem Kaiserhaus; im Hohenstaufensehloss zu Wimpfen
hingegen steht das Gotteshaus mit dem Palas in unmittelbarem baulichem Zusammen-
hang. Was von Bauformen an der Wimpfener Pfalzkapelle noch erhalten ist, deutet
mit Bestimmtheit darauf hin, dass das Gebäude mit den übrigen Bestandtheilen des
Palatiums das gleiche Alter gemein hat.

Diplomatisch verbrieft wird das Dasein der Kapelle jedoch nicht früher als Geschichtliche
durch eine Schenkungsurkunde des Wimpfener Pfarrers Henricus von 1293 und dann
in den Jahren 1330 und 1333 durch zwei von Kaiser Ludwig dem Baier ausgestellte
Urkunden, worin »von Unserer kaiserlichen Kapelle, gelegen in der Stadt Wimpfen,
capetta nos/rn impcrialis in oppido Wimpinensi sita«, und »von Unserer Wimpfener
Hofkapelle«, capclla aulae nostvac Wimpinensis, die Rede ist. Aus beiden Doku-
menten geht hervor, dass die Kapelle damals auf den Titel der hl. Jungfrau Maria
geweiht war und dass es sich im ersteren Falle um ein an den Bischof Gerlach von
Worms gerichtetes kaiserliches Schreiben zu Gunsten des Gotteshauses, im letzteren
Falle aber um Uebertragung der bescheidenen Einkünfte und des Besetzungsrechtes
der Pfalzkaplanei an das Benediktinerkloster und spätere Chorherrnstift zu Sinsheim
handelte. In einer Schenkungsurkunde des Burgkaplans Zwygo vom Jahre 1441 er-
scheint das Kirchlein unter dem Namen St. Nikolauskapelle. Die Umwandlung des
Sinsheimer Chorherrnstifts in ein weltliches Stift zur Zeit der Reformation wurde für
das Gotteshaus verhängnissvoll. Die Kapelle verödete und gerieth in Verfall. Zur
Sicherung des an dieser Stelle bedrohten städtischen Befestigungsringes, welchem die
Nordseite der Kapelle als Wehrmauer diente, Hess der Wimpfener Rath das Ge-
bäude ausbessern, betrachtete es fortan als städtisches Eigenthum und benülzte es als
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